Aschersleben: 3D-Druck-Dienstleister aus Russland gründet Unternehmen

Mit Sergei Novichkov hat nach vielen Monaten der Vorbereitung ein russischer Unternehmer eine Niederlassung in Aschersleben eröffnet. In der Heinrichstraße befinden sich nun die Geschäftsräume der GMM General Metal Manufactory GmbH - eine auf Konstruktion, Engineering und Projektierung sowie Rapid-Prototyping, Rapid-Tooling und Rapid-Manufacturing mit Hilfe des 3D-Druckverfahrens spezialisierte Firma. Zum Geschäftsmodell gehört zudem der Vertrieb der produzierten Teile.

Sergei Novichkov wohnt in Sankt Petersburg und ist seit seinem Diplomabschluss an der Staatlichen Universität von St. Petersburg für Weltraum-Gerätetechnik im Jahr 1999 in verschiedenen großen Unternehmen in Russland tätig gewesen. Er besetzte verschiedene Posten vom Unternehmensberater und Ingenieur bis zum Geschäftsführer. Zurzeit arbeitet er als Finanzberater für das Unternehmen OOO „Prommasch-Service“, dessen Geschäftsführung er bis zum Jahr 2013 innehatte.

Die „Additive Manufacturing“-Branche - ein Verfahren im Bereich des 3D-Druckes - befindet sich in Deutschland auf einem hohen Entwicklungsstand. Gleichzeitig ist der Markt durch eine rasante Nachfrage nach mit Hilfe der additiven Fertigung hergestellten Erzeugnissen gekennzeichnet - in Russland wächst die Branche derzeit eher langsam. Für Sergei Novichkov sind das die entscheidenden Kriterien, um mit einer Existenzgründung in Deutschland seine Geschäftsidee zu verwirklichen. Für den Standort Aschersleben spricht sowohl die geografische Lage, als auch die positive Bewertung durch bereits angesiedelte Unternehmen sowie die in der Branche im Vergleich zum Westen Deutschlands wenigen Dienstleister in der Region. 

Das Geschäftsmodell sieht die Entwicklung und Herstellung von Prototypen und Gussformen mittels FDM-Verfahren (Fused Deposition Modeling; deutsch: Schmelzverfahren) sowie von neuen 3D-Druckern vor. Dazu sollen mittelfristig sechs Mitarbeiter (Ingenieure, Projektentwickler und Vertriebsmanager) eingestellt werden. Die wenigsten Unternehmen, die in Deutschland im Bereich der 3D-Technologie auf dem Markt agieren, können 3D-Dienstleistungen und zusätzliche Hard- und Software-Entwicklung kombiniert anbieten. Hier setzt Sergei Novichkovs Geschäftsmodell an. In enger Zusammenarbeit mit dem Kunden umfasst das Dienstleistungsangebot zahlreiche Bereiche: Von der Beratung über die Erfassung des Modells mittels Scan, Konstruktion und Datenaufbereitung bis hin zum fertigen Druckerzeugnis und dessen Vertrieb.

Konkret umfasst das Leistungsportfolio:
1. Beratung im Bereich der Entwicklung und Projektierung von Produktionskomponenten und Komponententypen
2. Engineering und Projektierung von komplexen, hochpräzisen dreidimensionalen Entwürfen für industrielle Zwecke (Rapid-Prototyping)
3. Herstellung von Prototypen, Produktionskomponenten und Ersatzteilen nach individuellem Maß des Kunden mittels des 3D-Drucks (Rapid-Manufacturing)
4. Herstellung von hochpräzisen Sandgussformen und Metallgussformen in Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen (Rapid-Tooling)

Zielkunden des Unternehmens sind fertigende Unternehmen, insbesondere in der Gussproduktion, in Deutschland und im europäischen Ausland aus den Branchen Werkzeug- und Formenbau, Automobilindustrie, Bau, Maschinen- und Anlagenbau sowie Medizin-/Dentaltechnik und Prothetik.  

Die verwendeten 3D-Drucker werden im Unternehmen hergestellt bzw. montiert und konfiguriert. Sie sind außerdem um ein vielfaches größer, als jene, die auf dem deutschen Markt derzeit verkauft werden. Verwendet wird überwiegend PLA-Kunststoff - ein umweltfreundliches, biologisch abbaubares Material.

Ein kleineres Modell eines solchen 3D-Druckers können zukünftig die Schüler der Kreativwerkstatt benutzen. Sergei Novichkov hat anlässlich der Eröffnung der Niederlassung Jörg Blencke, Leiter der Kreativwerkstatt, einen 3D-Drucker geschenkt. „Dafür möchte ich mich herzlich bedanken“, sagt Jörg Blencke bei der Übergabe. Dies sei ein völlig neues Verfahren für die Einrichtung. Spontan zählte er die AG Architektur, Schmuck und Sandguss auf, die von diesem Drucker profitieren könnten. Doch auch Sergei Novichkov gab das Geschenk nicht ganz uneigennützig: Vielleicht sind unter den Schülern von heute ja die Ingenieure von morgen, die im Bereich 3D-Druck neue Maßstäbe setzen.

Das obere Bild zeigt Jörg Blencke (l.), Leiter der Kreativwerkstatt, und Sergei Novichkov, Geschäftsführer der GMM, vor einem Gerät, wie es die Kreativwerkstatt zukünftig nutzen wird. Das mittlere Bild zeigt rechts vom Drucker stehend Sergei Novichkov, Oberbürgermeister Andreas Michelmann, davor Detlef Gürth sowie Thorsten Ducke von der Wirtschaftsförderung der Stadt Aschersleben. Des Weiteren zu sehen ist von links Andreas Dippe (vorn) sowie Matthias May, Leiter der Wirtschaftsförderung. Ebenfalls anwesend war Oliver Koehn von der Investitions- und Marketinggesellschaft mbH (IMG) Sachsen-Anhalt. Auf dem unteren Bild ist die Nahaufnahme eines 3D-Drucks zu sehen.

Aschersleben, 1. Dezember 2016