Sonderpreis: Wohnungsgenossenschaft „Einigkeit“ für Entwicklung des Stadtquartiers „Über den Steinen“/“Düsteres Tor“ geehrt

Seit dem Jahr 2010 investiert die Wohnungsgenossenschaft Einigkeit bereits in die städtebauliche Entwicklung des Quartiers „Über den Steinen“, „Düsteres Tor“ und „Ölstraße“. Mit der Fertigstellung der Wohnbebauung Über den Steinen 32 und 33 sowie Düsteres Tor 4 ist der Wohnungsgenossenschaft im vergangenen Jahr eine enorme städtebauliche Leistung gelungen, die heute Abend einem Sonderpreis für Stadtentwicklung ausgezeichnet wird. Herzlichen Glückwunsch dazu an den Vorstand Peter Schröter (im oberen Bild rechts) und Marcel Osterburg (Mitte).   

Nachdem die Nachbarobjekte Ölstraße 9 und Über den Steinen 29/30 und 31 fertiggestellt waren, suchte die Wohnungsgenossenschaft Einigkeit nach weiteren bebauten und unbebauten Grundstücken in der Innenstadt von Aschersleben. In diesem Zuge gab es auch erste Kontakte zu den Eigentümern der beiden benachbarten Grundstücke „Über den Steinen 32 und 33“. Im Jahr 2013 konnten die Kaufverträge geschlossen werden. Der langjährige Leerstand hatte den vorhandenen Gebäuden bereits stark zugesetzt, sodass nur ein Gesamtabriss der denkmalgeschützten Häuser in Betracht kam. Letztlich waren alle Genehmigungen und Grundstückskäufe vollzogen, sodass die Umsetzung des Bauvorhabens im August 2015 begonnen werden konnte.

Dazu musste das Baufeld durch den Rückbau von etwa 11.500 Kubikmetern Altsubstanz freigemacht werden. Finanzielle Unterstützung erhielt die Wohnungsgenossenschaft Einigkeit dafür durch die Stadt Aschersleben.

Im Januar 2016 konnten die Spezialtiefbauarbeiten für die Baugrubensicherung im Bereich der Straße „Über den Steinen“ mittels Berliner Verbau und für die Giebelsicherung der Nachbarbebauung Nummer 34 beginnen. Parallel zu den Tiefbau- und Rohbauarbeiten für die beiden Vorderhäuser wurden im rückwärtigen Baufeld umfangreiche archäologische Untersuchungen vorgenommen. Nach deren Abschluss starteten auch hier die Rohbauarbeiten für das Objekt Düsteres Tor 4. Anfang August 2016 war mit dem Abschluss der Zimmererarbeiten der erste Meilenstein geschafft und das Richtfest für die beiden Vorderhäuser konnte gefeiert werden – nur knapp 5 Wochen nach der Grundsteinlegung für das Objekt Düsteres Tor 4 im Juli. Der anschließende Innenausbau folgte in den Wintermonaten und fand gleichzeitig mit der Fertigstellung der Außenanlagen Ende August/Anfang September 2017 seinen Abschluss.

Die Wiederbebauung der beiden Grundstücke in der Straße Über den Steinen erfolgte straßenseitig in traditioneller Formensprache, die sich wohltuend in die historische Umgebungsbebauung einfügt. Dazu wurden im Vorfeld historische Planungsunterlagen im Kreisarchiv gesichtet und nach Abstimmung mit der Stadtverwaltung für die Fassadengestaltung genutzt. Die hofseitige Bebauung zeichnet sich hingegen durch eine moderne Formensprache aus, die unter anderem durch Farbgebung gegliedert ist. Der Innenhofbereich wurde offen, mit viel Grün, gleitenden Übergängen und ohne Abgrenzungen durch Zäune und hohe Mauern gestaltet.

Das Bebauungskonzept ist geprägt durch den Gedanken, ein Wohnquartier zu schaffen, in dem alle leben können – jung wie alt. Alle 26 Wohneinheiten sind barrierearm, haben einen gehobenen Ausstattungsstandard und sind durch einen Fahrstuhl zu erreichen. Die Wohnungen haben beispielsweise breite Türen, ebenerdige Duschen und keinerlei Schwellen bei den Übergängen zu den Räumen. Auch die Balkone sind ebenerdig zu erreichen. In dieses Konzept gliedert sich auch die dem Wohnkomplex zugehörige Tiefgarage ein. Aufgrund der Vielzahl der Wohnungen und notwendigen Stellplätze wurde der Bau einer Tiefgarage mit 15 Stellplätzen realisiert, die über unterirdische Verbindungswege mit allen 3 Gebäuden verbunden ist. Die Zufahrt ist über die Straße Düsteres Tor möglich.

Der Bau der Tiefgarage beweist auch den besonderen Wert, der auf die Außenanlagen im Wohnkomplex gelegt wurde. Statt gepflasterten Stellflächen entschied sich die Wohnungsgenossenschaft dafür, grüne Freizeitflächen zu schaffen. Die Grundstücksgrenzen sind optisch dezent durch die Begrünung und Wege markiert. Den Bewohnern bietet sich eine wahre „Innenstadt-Oase“ der Ruhe.

Lebensqualität spielte auch in der energetischen Schwerpunktsetzung eine besondere Rolle. Die Wohnungen werden über eine Fußbodenheizung beheizt, sind mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versehen. Der Strom für den Betrieb der Lüftung, der Aufzugsanlagen sowie sämtlicher künstlicher Beleuchtung wird über eine hauseigene Photovoltaikanlage erzeugt. Extra starke Wärmedämmung und dreifachverglaste Fenster sorgen ebenfalls für die notwendige Energieeffizienz. Ein Stromspeicher stellt sicher, dass auch nachts genügend Strom zur Verfügung steht. Zusammen mit der effizient arbeitenden Anlagentechnik erfüllen alle 3 Gebäude aus energetischer Sicht die Anforderungen an ein KfW-55-Haus. Mit anderen Worten: Die Bauherren haben viel unternommen, um die Neben- und Betriebskosten für die Nutzer bzw. Mitglieder relativ niedrig zu halten. 
Mit 5,1 Mio. Euro ist es in der Geschichte der Wohnungsgenossenschaft Einigkeit die größte Einzelinvestition und der größte innerstädtische Neubau. Ergänzt wurde die Summe lediglich durch einen KfW-Kredit.

Dass sich diese Investition gelohnt hat, zeigte bereits während der Bauphase das große Interesse an den Wohnungen. Schon bei Fertigstellung im August 2017 waren die 17 Zwei-Raum-Wohnungen, 6 Drei-Raum-Wohnungen und 3 Vier-Raum-Wohnungen vergeben.

Mit diesem Sonderpreis für Stadtentwicklung würdigt die Stadt Aschersleben das besondere und prägende Engagement der Wohnungsgenossenschaft „Einigkeit“ e.G. bei der positiven Entwicklung des Innenstadtquartiers „Über den Steinen/Düsteres Tor“ in Aschersleben. Die Entwicklung des Wohnquartiers ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Das Haus „Über den Steinen 27“, der ehemalige Bäcker Tempelhoff, ist bereits durch die Wohnungsgenossenschaft erworben worden. Die Planungen sind angelaufen.

Aschersleben, 5. Januar 2018