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Der Vorsitzenden des Förderkreises „Restaurierung und Erhaltung der historischen Stadtbefestigungsanlagen von Aschersleben e.V.“, Hildegard Ramdohr, wurde heute im feierlichen Rahmen das Ehrenbürgerrecht verliehen. Es ist die höchste Auszeichnung, die die Stadt vergeben kann. Aschersleben hat Frau Ramdohr maßgeblich zu verdanken, dass die einmalige historische Stadtbefestigung in den vergangenen 22 Jahren ihr beeindruckendes Antlitz zurückerhalten hat. Sie hat sich darüber hinaus durch ihr uneigennütziges solidarisches Handeln um das Wohl und Ansehen unserer Stadt außergewöhnliche Verdienste erworben. Hildegard Ramdohr reiht sich in eine Linie mit Heinrich-Christian Bestehorn, Prof.-Dr. Walter Friedrich, Walter Buhe und anderen verdienstvollen Ascherslebern. Damit ist sie auch die erste Frau, die diese Auszeichnung erhält. Einziger noch lebender Ehrenbürger neben ihr ist der Amerikaner Harlan Newell, dem 1995 die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde. Er hatte als Militärangehöriger Aschersleben 1945 vor einer größeren Zerstörung durch amerikanische Bomben bewahrt. Der Förderkreis zur Restaurierung und Erhaltung der historischen Stadtbefestigungsanlage und seine Mitstreiter waren seit 1990 das prägende Element in Hildegard Ramdohrs Leben. Seit ihrem Eintritt in den Ruhestand 1985 hat sie das „heruntergelodderte“ Aschersleben, wie sie es nannte, immer mehr bekümmert. Während 1988 ein Förderkreis noch illusorisch war, konnte sie ein Jahr später gemeinsam mit Menschen wie Siegrid Tabbert, Dorothee Mücksch, Gisela Ewe, Herbert Groffik, Rainer Ripala, Kurt Horenburg, Wolfgang Kilian und anderen seine Gründung vorantreiben. Am 20. Juni 1990 fand im Ratssaal des Rathauses die feierliche Gründungsveranstaltung statt. Aus den 1700 Ost-Mark, die zur Gründung auf dem Vereinskonto waren, wurden dank des unermüdlichen Einsatzes von Hildegard Ramdohr bald größere Summen D-Mark. Gemeinsam mit Herbert Groffik und Richard Illing fuhr sie in die noch vorhandenen Betriebe, um die ersten Spenden für die Sanierungsmaßnahmen einzuwerben. Im Juli 1990 fuhren Siegrid Tabbert, die damals noch Vorsitzende des Förderkreises war, und Hildegard Ramdohr über Hannover nach Köln. Sie trafen viele ehemalige Aschersleber, alles Möhrenköppe, die sich freuten, durch Spenden und die Mitgliedschaft im Verein ihrer alten Heimat etwas zurückgeben zu dürfen. Zeitweise hatte der Förderkreis über 300 Mitglieder. Das Vereinskonto wuchs aber nicht nur durch Mitgliedsbeiträge. So wurden mit Hilfe der Sparkasse Silbermedaillen mit Aschersleber Motiven geprägt, ein Stadtführer mit dem Titel „Ein Gang um die Alten Mauern“ gedruckt und ein Benefizkonzert mit Gunter Emmerlich und Deborah Sasson organisiert. Alle Verkaufserlöse kamen den Baumaßnahmen zu Gute. Dank des Engagements und der Ausdauer von Hildegard Ramdohr kamen bis heute sage und schreibe 277.000 Euro an Spenden und Mitgliedsbeiträgen zusammen. Den Verbleib des Geldes kann man am Rondell, dem Schmalen Heinrich, dem Liebenwahnschen Turm, dem Beyseschen Turm, der Luisenschale und in all den anderen Abschnitten der Stadtbefestigungsanlage sehen. Der Auftrag des Förderkreises, die historische Stadtbefestigungsanlage zu bewahren, war und ist Hildegard Ramdohrs Lebensaufgabe. Sie steht mit der ihr in die Wiege gelegten Energie, Eloquenz und Beharrlichkeit als die treibende Kraft hinter allen Aktionen des Vereins. Und sie war sich niemals zu schade für die Tristesse des Büroalltags. Noch heute ist sie regelmäßig im Rondell anzutreffen, wo sie sich mit der Unterstützung ihrer Mitarbeiterinnen um die Korrespondenz und um die Buchhaltung kümmert. Vielleicht wäre mit dem bekannten Aschersleber Pragmatismus manches auch anders gelaufen, wäre Frau Ramdohr nicht als mahnende Instanz permanent präsent gewesen. An ihr kam und kommt keine Bundesstiftung Denkmalschutz vorbei, kein Bauminister, kein Oberbürgermeister und kein Bankvorstand. Und wer es doch einmal gewagt hat, Frau Ramdohr mit leeren Händen gehen zu lassen, der wird bald gemerkt haben, dass ihr eine noch so freundliche Absage mit allerlei triftigen Begründungen wenig ausmacht. Sie kommt wieder, und wieder, und … Hildegard Ramdohr erhält das Ehrenbürgerrecht für ihr Lebenswerk, in erster Linie für ihren unermüdlichen und überdurchschnittlichen Einsatz für die Erhaltung der historischen Stadtbefestigungsanlage. Doch dem Stadtrat war bei seiner Entscheidung eine weitere Leistung von Hildegard Ramdohr ganz wichtig. Sie ist weniger bekannt ist, sie verrät aber viel darüber, wie Hildegard Ramdohr denkt und weshalb sie so handelt, wie sie handelt. In einer Zeit als viele zu Recht die Sorge um die eigene Existenz umtrieb, zu Beginn der 90er Jahre, kümmerte sich Hildegard Ramdohr um eine Gruppe von Menschen, derer damals wahrscheinlich kaum jemand mit Mitleid und gar Sorge gedachte: die russischen Soldaten in Cochstedt. Von heute auf morgen kümmerte sich um die Militärangehörigen von Cochstedt niemand mehr. Frau Ramdohr hat die Nazi-Zeit, den Krieg und die deutsche Teilung erlebt. Nach dem Fall der Mauer war es ihr ein ganz besonderes Anliegen, dass die Soldaten und ihre Familien nicht mit dem Bild eines großspurigen Siegerdeutschlands in ihre Heimat zurückfahren, dem das Schicksal der ehemaligen Besatzer vollkommen egal ist, ja diese vielleicht noch mit Häme bewerfen. Frau Ramdohr organisierte Verpflegung und praktische Hilfe für Cochstedt. Sie sprach die Geschäfte der Innenstadt an und bat um Spenden. Weihnachten packte sie mit der katholischen Gemeinde Päckchen, vor allem für die Kinder. Mehrere Jahre konnte sie sogar mit einer Frau aus Rheinlandpfalz Fahrten für die russischen Kinder in den Westerwald organisieren und finanzieren. In diesem Zusammenhang hat sie einmal gesagt: Auch wenn Freundschaft nicht immer möglich ist, aber Menschlichkeit muss sein. Vita Hildegard Ramdohr Hildegard Ramdohr wurde als Hildegard Gertrud Kuhnen im Jahr 1925 in Bendorf bei Koblenz als älteste von drei Schwestern geboren. Ihr Vater war Ingenieur bei den Junkerswerken, was 1938 der Grund war für den Umzug nach Aschersleben. Sie besucht die katholische Schule in der Ramdohr-Straße, tritt nicht in den „Bund deutscher Mädel“ ein. Nach dem Abschluss der Mittelschule absolviert sie eine kaufmännische Lehre in den Junkerswerken und arbeitet dort bis Kriegsende. 1945 geht sie als junge Frau nach Köln, wo sie im dortigen Gesundheitsamt eine Anstellung findet. Das Bild des zerstörten Nachkriegsdeutschland prägt sich tief in ihr ein. Die Sehnsucht nach ihren Eltern und Aschersleben bewegt sie jedoch bereits 1946 zur Rückkehr. Im Oktober 1948 heiratet sie Gerhard Ramdohr. Knapp ein Jahr später wird ihre gemeinsame Tochter Gabriele geboren. Ihre Eltern und ihre Schwestern verlassen 1949 die sowjetische Besatzungszone. Hildegard Ramdohr bleibt mit ihrer neuen Familie in Aschersleben. 1985 stirbt ihr Mann nach schwerer Krankheit. In dem gleichen Jahr geht sie aus der Großhandelsgesellschaft Lebensmittel, wo sie 33 Jahre lang gearbeitet hat, in den Ruhestand. Bis zur Wende arbeitet sie als Reiseleiterin. Ins Ausland darf sie nicht, da sie als politisch unzuverlässig gilt. Einen Eintritt in die SED hatte die bekennende Katholikin stets abgelehnt. 1997 erhält sie den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, 2003 die Ehrenmedaille der Stadt Aschersleben. Zurück |