Baupreis 2018: Gesine und Adrian Einecke für Sanierung des Wohnhauses Über dem Wasser 14 ausgezeichnet

Um hervorragende und innovative Leistungen bei der Durchführung von Baumaßnahmen und bei der Gestaltung von Fassaden in Aschersleben anzuerkennen und zu fördern, lobt die Stadt Aschersleben jährlich den Baupreis aus. In diesem Jahr haben die Preisträger einem Fachwerkhaus in der Straße Über dem Wasser 14, dessen Abriss bereits so gut wie besiegelt war, neues Leben verliehen: Gesine und Adrian Einecke.
 
Die Familie Einecke suchte in der Innenstadt Ascherslebens ein Haus mit Grundstück für sich. Es sollte kein Neubau werden, sondern die Sanierung eines Hauses, das Gemütlichkeit und Ursprünglichkeit besaß. Das barocke Fachwerkhaus in der Straße Über dem Wasser 14 hatte für sie all das – beziehungsweise es ließ Potential erahnen. Denn das Gebäude war in sehr schlechtem Zustand, teilweise eingestürzt. 1996 hatte die Stadt Aschersleben die straßenseitige Erdgeschosswand erneuert und damit das Haus vor dem weiteren Verfall bewahrt. Familie Einecke entschied sich dennoch für den Kauf. Im Jahr 2015 wurde der Kaufvertrag geschlossen. Bald darauf erhielten sie Post. Das Bauordnungsamt verfügte den kompletten Abbruch des Einzeldenkmals wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.

Doch Gesine und Adrian Einecke ließen sich von diesem Schreiben nicht abhalten. Zusammen mit den Architekten der qbatur Planungsgenossenschaft aus Quedlinburg und regionalen Handwerksbetrieben restaurierten die Bauleute das Fachwerkhaus aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts liebevoll in allen Details. Das denkmalgeschützte zweigeschossige Gebäude besteht aus einem massiven Unterstock und leicht vorkragendem Fachwerkobergeschoss mit Zierfachwerk. Die profilierte Schwelle ist mit 1697 datiert.

Alte, historische Bausubstanz sollte erhalten und gleichzeitig moderner Wohnraum bei Verwendung baubiologisch optimaler Materialien geschaffen werden. Gartenseitig, wo der Bestand nicht mehr zu erhalten war, wurde das Gebäude um einen Anbau ergänzt.

Nach den Abrissarbeiten der Hintergebäude im April 2015 startet der Neubau im November des gleichen Jahres. Bei der Sanierung wurde schrittweise die erhaltenswerte Bausubstanz repariert und unter Verwendung von Altmaterialien ergänzt. Die Fachwerkreparaturen wurden mit Altholz und alten Backsteinen ausgeführt, die Dacheindeckung erfolgte in ortsüblicher Biber-Doppeldeckung mit Altziegeln. Die Außenwände wurden innen mit Holzweichfaserplatten gedämmt, alle Wände mit Lehm verputzt.

Zwei Fenster aus der Zeit um 1900 wurden geborgen, restauriert und um innere Vorsatzfenster mit Isolierverglasung ergänzt. Sie fanden ihren Platz in den beiden barocken Sandsteingewänden auf der Straßenseite. Die übrigen Fenster wurden als Kastenfenster nach historischer Vorlage ausgeführt. Die Innentüren sind geborgen, aufgearbeitet und wieder eingebaut worden. Ein vermutlich bauzeitlicher Dielenboden im Obergeschoss ist ebenfalls erhalten und restauriert worden.

Der Anbau ist als rausichtige Massivholzkonstruktion mit außenseitigem Backstein-Verblendmauerwerk ausgeführt worden. Mittels einer Holzständerbauweise anstelle des eingestürzten Gebäudeteils konnte die Grundfläche erweitert und ein einzigartiger Wohnbereich geschaffen werden. Der Anbau erinnert nun an eine historische Bohlenstube. Hofseitig öffnet sich der Anbau mittels einer Ganzglasfassade zum Außenraum hin und lässt viel Licht in das Gebäude.

Die Weiter- und Wiederverwendung von Baumaterialien hat dazu beigetragen, den Ressourcenverbrauch zu begrenzen. Die Verwendung ökologischer Baustoffe wie Bauholz, Lehm, Ziegel, Holzweichfaser und Zellulose verbesserte die Ökobilanz des Projektes zusätzlich. Das Objekt wurde an das anliegende Fernwärmenetz der Stadtwerke angeschlossen und nutzt so die Abwärme aus der Kraft-Wärme-Kopplung.

Mit der Beauftragung regionaler Handwerksbetriebe wurde ein Beitrag dazu geleistet, alte Handwerkstraditionen lebendig zu halten sowie die örtliche Wirtschaft zu fördern.

Dieses private Sanierungsvorhaben wurde mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ und einem KfW-Kredit unterstützt.

Die Sanierung von „Über dem Wasser 14“ ist ein Beispiel besonderen bürgerschaftlichen Engagements. Mit ihrem Einsatz und Durchhaltevermögen ist Gesine und Adrian Einecke die Rettung eines bereits verloren geglaubten Einzeldenkmals in der Altstadt Ascherslebens gelungen. Erwähnenswert ist auch, dass die Bauherren ihr Haus beispielsweise zum Tag des offenen Denkmals, im vergangenen Jahr auch zum Tag der Städtebauförderung der Öffentlichkeit zugänglich machten und damit ihre Erfahrungen an Mitbürger weitergeben.

Die Bedeutung solcher Aktionstage wird an diesem Beispiel deutlich: Bei einem früheren Tag des offenen Denkmals sah sich Familie Einecke ein restauriertes Fachwerkhaus in Aschersleben an, das bereits durch Architekten der qbatur Planungsgenossenschaft saniert wurde. Dadurch fühlten sich Adrian und Gesine Einecke darin bestärkt, ein solches Projekt in Angriff zu nehmen.

Fotos: Steffen Spitzner (Hausansicht)/Stadt Aschersleben

Aschersleben, 5. Januar 2018