Bildungspreis 2018 wurde an Klaus Winter verliehen

Ein Schulleiter muss nicht alles können, aber er muss erkennen, was Schüler, Lehrer und  Schule voranbringt und dafür den Weg eben. Dies sind die Worte unseres diesjährigen Bildungspreisträgers, der für seine langjährige hervorragende Bildungsarbeit ausgezeichnet wird: Klaus Winter, Schulleiter des Gymnasiums Stephaneum in Aschersleben.

Wer Klaus Winter kennt, weiß: In der Ruhe liegt die Kraft. Klaus Winter, der seit 1990 am Stephaneum tätig ist und seit 1994 in einer leitenden Position, hat vieles am Stephaneum bewegt, angeschoben, unterstützt und geschaffen, das in seiner Gänze das Prädikat „hervorragend“ verdient. Dies ist ihm auch gelungen, weil er die Lehrerschaft mit Offenheit und Fairness  immer wieder für die Sache begeistern kann.

Das Gymnasium „Stephaneum“ ist nachweislich das älteste Gymnasium Sachsen-Anhalts. Doch noch ein weiterer Fakt macht es hierzulande einzigartig: Es trägt die Titel Europaschule, UNESCO-Projektschule, Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage und ist eine offene Ganztagsschule. Diese Kombination ist landesweit, vielleicht sogar bundesweit, einmalig und wird jährlich durch eine Vielzahl von Projekten verteidigt. Möglich wird dies durch einen Schulleiter, dem die Bereitstellung und die Organisation erheblicher finanzieller Mittel gelingt und der es schafft, das Kollegium immer wieder für den Einsatz in diesen Projekten zu motivieren.

Seit 2004 ist das Gymnasium Stephaneum eine offene Ganztagsschule. Zur damaligen Zeit war dies durchaus eine Ausnahme - passte aber in die Welt, als die Schulbezirke geöffnet wurden. Für Klaus Winter stand fest: Durch diese Schulform, natürlich nur ungekürzt bei Lehrerstunden, können sowohl Begabte als auch leistungsschwächere Schüler gefördert werden. Daran gebunden sind auch weitere Mittel. Seitdem konnte die Schulleitung ein umfangreiches Netz von Kooperationen aufbauen, um das Ganztagsschulangebot attraktiv zu gestalten.

Teil dieses Konzeptes ist die Turnhalle von Haus II. In diesem Jahr wird das Gebäude zu einem Ganztagszentrum ausgebaut. Im Mittelpunkt steht die Mittagsversorgung. Doch schnell lässt sich der Raum für verschiedenste Zwecke nutzen. Es wird eine Aula geben, einen Lesesaal mit Empore. Das Schüler-Service-Center zieht dort ein. Für die Entwicklung der Schule ist diese Sanierung wichtig.

Mittel aus dem Förderprogramm Stark V für die Sanierung von Haus I sind beantragt.

Einen Kraftakt stellte die Fusion der beiden Gymnasien in Aschersleben – Stephaneum und Ascaneum – beginnend im Jahr 2006 dar. Doch mit Umsicht, Rücksicht, Geschick sowie durch konzentriertes Arbeiten gelang es Klaus Winter in verantwortlicher Position als stellvertretender Schulleiter und später als Schulleiter, die positiven Errungenschaften beider Schulen und deren Kollegien zu bündeln und für die weitere positive Entwicklung des Stephaneums zu nutzen. So war es nur folgerichtig, dass die Bemühungen des Ascaneums, den Titel „UNESCO Projektschule“ zu erlangen, weiterverfolgt wurden. 2008 sind diese Bemühungen belohnt worden, 2009 folgte der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Das Stephaneum „brachte“ den Titel Europaschule mit.

In diese Zeit fielen auch die Bemühungen, den internationalen Schüleraustausch wiederzubeleben. Gemeinsam mit einem Team von interessierten Lehrern besuchte jeweils eine Vordelegation um Klaus Winter die potentiellen neuen Austauschpartner und ebnete so den Weg für den Austausch mit der finnischen Partnerstadt Kerava, Winschoten in den Niederlanden und Holstebro in Dänemark. Leider ist letztgenannter Austausch nach einer dortigen Schulreform beendet worden. Zudem besteht eine enge Kooperation mit dem Ratsgymnasium in Peine, die einen jährlichen Partnerschaftstag hervorgebracht hat. Auf diesem Weg leistet das Stephaneum auch einen wichtigen Beitrag zur Pflege der bestehenden Städtepartnerschaften Ascherslebens.

Doch auch die Kontakte in die Wirtschaft sind erwähnenswert. Klaus Winter ist es gelungen, ein großes Netzwerk von Förderern und Sponsoren für das Gymnasium aufzubauen, um die Lernbedingungen ständig zu vervollkommnen, sodass der Ruf der Schule über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus als ausgezeichnet wahrgenommen wird. Zu den Netzwerken gehören kommunale, wissenschaftliche und wirtschaftliche Partner. Da sei als Beispiel die naturwissenschaftliche Woche für die 10. Klassen genannt, die gemeinsam mit dem Noveliswerk durchgeführt wird. Es gibt Kooperationen mit der Tonfunk GmbH Ermsleben und Rulmeca, mit Schubert Touristik. Die Martin-Luther-Universität führt das Stephaneum als „Prime-Gymnasium“. Es gibt weitere Kooperationen mit Hochschulen, mit der Fachhochschule Polizei, im Lokalen mit hiesigen Grundschulen und Sportvereinen, dem Jugendverein Elf e.V. und der Kreativwerkstatt.

Apropos Grundschulen: Bei Elternabenden in sämtlichen Grundschulen informiert Klaus Winter über das Stephaneum. Mittlerweile gibt es dort auch Schnuppertage. An drei Terminen im 1. Schulhalbjahr können Eltern und Schüler jeweils montags das Stephaneum direkt vor Ort kennenlernen. Zusammen mit dem Tag der offenen Tür jeweils im Januar können sie so einen umfassenden Eindruck von der Schule erhalten.

Klaus Winter konnte im Jahr 1983 sein Studium zum Diplomlehrer Geschichte/Geographie an der Humboldt-Universität in Berlin mit dem Prädikat Auszeichnung abschließen und erhielt den Robert Alt Preis der Sektion Pädagogik. Noch im selben Jahr begann er seine Lehrertätigkeit an der 10. POS in Aschersleben. 1990 erfolgte die Versetzung an das heutige Gymnasium Stephaneum. Bis 1994 war er dort als Landesfachberater Geschichte im Einsatz. Am 1. August 1994 übernahm er zunächst kommissarisch, später ordentlich bestellt die Funktion des stellvertretenden Schulleiters. Ab dem 1. August 2008 fungierte er als amtierender Schulleiter und seit April 2011als ordentlich bestellter Schulleiter.

In all den Jahren engagierte sich Klaus Winter auch in verschiedenen Ehrenämtern. Seine hohe Fachkompetenz brachte ihn über viele Jahre hinweg – von 1995-2014 - in die gewählte Vertretung des Lehrerhauptpersonalrates, wo er maßgeblich an vielen Tarifverträgen mitwirkte. Zudem ist er Mitglied im Philologenverband Sachsen-Anhalt. Als Experte im Tarifrecht und Schulrecht genießt er auch dort hohes Ansehen und wird regelmäßig bei Beratungen konsultiert.

Außerdem liegt Klaus Winter der Fußball und insbesondere der Mädchenfußball am Herzen. Auch in diesem Bereich engagierte er sich viele Jahre ehrenamtlich. Mehrere Landesmeistertitel der Mädchenfußballmannschaften und Landessiege bei „Jugend trainiert“ sprechen eine eigene Sprache. Seit 2004 sitzt Klaus Winter als Mitglied der Widab zudem im Stadtrat und im Kreistag und setzt sich auch dort für die Stadt sowie die Bildung in der Stadt ein.

Mit dem Weggang des Fachgymnasiums aus Aschersleben konnte auf Betreiben Klaus Winters eine Vereinbarung zwischen 3 Sekundarschulen und dem Stephaneum getroffen werden, die es Schülerinnen und Schülern aus den Sekundarschulen Nachterstedt, Ermsleben und der Burgschule Aschersleben ermöglicht, ihr Abitur am Stephaneum ablegen zu können. So bleiben ihnen lange Fahrwege erspart. Eine derartige Zusammenarbeit ist innovativ, wenn nicht gar einzigartig in Sachsen-Anhalt.

Die hier aufgeführten Errungenschaft, die lediglich ein Auszug dessen sind, was das Stephaneum ausmacht, zeigen: Klaus Winter erkennt, was Schüler, Lehrer und  Schule voranbringt und ebnet dafür den Weg. Oberbürgermeister Andreas Michelmann dankte Klaus Winter für dieses Engagement, das nicht zuletzt dem Bildungsstandort Aschersleben und der Stadt Aschersleben zugutekommt.

Aschersleben, 5. Januar 2018