Wirtschaftspreis 2018: Auszeichung für Matthias Schröder, Geschäftsführer MCE Aschersleben

Der Wirtschaftspreis der Stadt Aschersleben würdigt seit vielen Jahren hervorragende Leistungen von hier ansässigen Unternehmern. In diesem Jahr wird der Wirtschaftspreis an Matthias Schröder, Geschäftsführer und Inhaber der MCE Aschersleben, verliehen – für seine besonderen Bemühungen um den Erhalt eines traditionsreichen produzierenden Betriebes in Aschersleben.

Hinter Matthias Schröder und der Belegschaft des MCE Aschersleben liegen nervenaufreibende Monate, als im März 2017 die erfreuliche Nachricht durch die Presse geht: Bilfinger MCE Aschersleben, früher allgemein bekannt als „Rohrleitungs- und Behälterbau Aschersleben“ und erste Adresse im Apparatebau für konventionelle Großkraftwerke, ist im Rahmen eines MBO (Management Buy Out) durch den langjährigen Geschäftsführer Matthias Schröder übernommen worden.

In den Jahren zuvor machte der Mutterkonzert Bilfinger mit Personalabbau und der Schließung von Standorten Schlagzeilen. Energiewende und sinkende Ölpreise setzten der Kraftwerkssparte des Konzernes spürbar zu und so stand auch die Zukunft des Aschersleber Standortes vor dem Aus. Der fast 120-jährigen Unternehmensgeschichte drohte das Ende.

Matthias Schröder, seinerzeit bereits Geschäftsführer in Aschersleben, glaubte fest an die Zukunftsfähigkeit des Standortes. Er wusste um das Können der Mitarbeiter, die Kompetenz und den guten Ruf des Werkes am Markt.

Matthias Schröder erarbeitete ein Unternehmenskonzept, das den Erhalt des Werkes in Aschersleben sichern sollte. Von Vorteil dabei und eine wesentliche Voraussetzung waren seine exzellenten Kontakte in der Branche, zu maßgeblichen Managern im europäischen Anlagenbau und der Stahlverarbeitung. Ohne neue Kunden konnte es keine Zukunft geben. Die guten Kontakte und Gespräche mit potentiellen Kunden für Produkte und Dienstleistungen bildeten das Fundament für die weiteren Bemühungen um das Fortbestehen des Unternehmens.

Doch diese Anstrengungen reichten nicht. Der Bilfinger-Konzern hielt an den Plänen der Werksschließung fest. Erst als Matthias Schröder seine Bereitschaft erklärte, selbst unternehmerisches Risiko einzugehen und privates Geld zu investieren, bestand die Aussicht, im Rahmen eines Management Buy Out den Produktionsstandort in Aschersleben und damit bis zu 100 Arbeitsplätze zu retten. Nun galt es, Kapital zu beschaffen. Banken mussten für eine Finanzierung gewonnen, Verkaufsbedingungen geklärt werden. Mit eigenem Geld, der Übernahme von Bürgschaften und Risiken, viel Engagement und Professionalität wurde mit Konzern und Banken verhandelt. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Aschersleben, die IG-Metall, Betriebsrat und Landespolitik begleiteten das Vorhaben fast 2 Jahre lang diskret, aber nachhaltig. Oft stand alles auf der Kippe. Immer wieder galt es, neue Hürden aus dem Weg zu räumen.

Letztlich konnte der Management Buy Out erfolgreich abgeschlossen werden. Aus Bilfinger MCE Aschersleben wurde wieder MCE Aschersleben. Im Zuge der Energiewende sind die Vertriebsaktivitäten in den letzten Jahren vorrangig auf die Felder Prozessindustrien und Stahlwasserbau ausgerichtet und stark diversifiziert worden. Es gibt nunmehr die zwei Produktsegmente: Behälter- und Apparatebau sowie Konstruktionsstahlrohre, die in den drei Industriebereichen Energie, Prozessindustrien sowie Infrastruktur vermarktet werden. MCE Aschersleben folgt damit insbesondere seinen Kunden im Großanlagenbau und partizipiert an weltweiten Konjunkturentwicklungen.

Der Stahlwasserbau, insbesondere in Infrastrukturprojekten wie beim Bau von Hafenanlagen, hat als weiterer neuer Sektor in den letzten Jahren einen Anteil von über 60 Prozent gewonnen. Das internationale Geschäft ist mittlerweile von einstmals weniger als 20 auf über 80 Prozent gewachsen. Nahezu die Hälfte der Produktion aus Aschersleben geht inzwischen an den Persischen Golf und nach Nordafrika. Dreiviertel der Leistungen resultieren aus Neukundengeschäften. Diese Veränderungen stellen auch erhöhte Anforderungen an die Mitarbeiterentwicklung. Neben Trainings zu Claims- und Changemanagement, Anlagentechnik, Auslegung und Tools wurden auch Fremdsprachenkompetenzen verstärkt entwickelt. Nach einer kurzen Auszeit ist es auch geplant, den Ausbildungsbetrieb wieder aufzunehmen und Metaller auszubilden.

Im Fokus steht zudem die weitere Entwicklung des Unternehmens. Nächstes Ziel ist die intensivere Vermarktung eigener Produktkompetenz wie z.B. von Kühlwassersystemen, Schalldämpfern für verschiedene Anwendungen in der Energieerzeugung und den Prozessindustrien sowie pneumatischen Injektionsanlagen für die Elektrostahlerzeugung und in der Sekundärmetallurgie. Durch die Diversifizierung in Industrien, Produkten und weltweite Marktregionen ist MCE Aschersleben stabil aufgestellt, um auch in Zukunft ein profitables Wachstum nachhaltig sicherzustellen.

Am 1. Januar 2018 hat die erste Auslandstochter der MCE Aschersleben, die MCE BENELUX B.V. in Rotterdam ihre Tätigkeit aufgenommen. Weitere internationale Märkte der MCE Aschersleben, die zunehmend aktiv bearbeitet werden, sind der Mittlere Osten (Abu Dhabi, Saudi Arabien), Nigeria, Rumänien, Russland und Brasilien.

Zur Erhaltung der umfangreichen Liegenschaften wird ein Industrieparkkonzept verfolgt und nicht genutzte Flächen vermarktet. Der damit verbundene Erfolg, der sich inzwischen bereits eingestellt hat, kommt auch Aschersleben zugute. Unter anderem konnte ein US-amerikanisches Unternehmen aus der Feuerfestindustrie zur Ansiedlung gewonnen werden. Damit war die Schaffung von zehn neuen Arbeitsplätzen in Aschersleben verbunden.

Matthias Schröder hätte sich für einen der bereits angebotenen Managerjobs anderswo entscheiden können. Stattdessen glaubte er an die erfolgreiche Zukunft des wettbewerbsfähigen Rohrleitungs- und Anlagenbauers. „Auch ist es schön zu sehen, dass wir heute einen Unternehmer auszeichnen, der sich der Verantwortung für die Mitarbeiter bewusst ist. Mit seinem Engagement, dem Mut unternehmerisches Risiko einzugehen und eigenes Geld zu investieren, hat Matthias Schröder einen für Aschersleben wichtigen Arbeitgeber und bis zu 100 Arbeitsplätze gerettet und verdient damit die Auszeichnung mit dem Wirtschaftspreis 2018 der Stadt Aschersleben“, sagte Oberbürgermeister Andreas Michelmann in seiner Laudatio.

Aschersleben, 5. Januar 2018