Bildungspreis 2017: Beatrix Lampadius und Alexander Erpilev geehrt

Bei den diesjährigen Preisträgern des Bildungspreises 2017 der Stadt Aschersleben spielt die musikalische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle. Einmalig in der Geschichte des Bildungspreises, der seit dem Jahr 2011 verliehen wird, erhalten zwei verdiente Musikpädagogen diese Auszeichnung: Frau Beatrix Lampadius, Inhaberin der Tanz- und Musikschule Lampadius, sowie Alexander Erpilev, der die Big Band Aschersleben seit ihrem Bestehen im Jahr 2006 leitet.

Beatrix Lampadius:

Mit Stolz kann die Stadt Aschersleben auf eine facettenreiche Bildungslandschaft blicken. Eine engagierte Repräsentantin unserer Stadt in diesem Bereich ist Beatrix Lampadius. Sie gründete im Jahr 2004 die Tanz- & Musikschule Lampadius in Aschersleben. Heute ist die freie Bildungseinrichtung ein wichtiger Pfeiler im vielfältigen Bildungs- und Kulturangebot unserer Stadt.

Beatrix Lampadius begann sich mit dem Gedanken zur Schulgründung auseinanderzusetzen, als sie selbst als junge Mutter vor der Frage stand: Wo können Kinder eine Musik- und Tanzausbildung mit hohem Anspruch absolvieren? Kurz zuvor war Beatrix Lampadius der Liebe wegen von Berlin nach Aschersleben gezogen. Die gebürtige Riederin hatte in der Hochschule der Künste ihr Rüstzeug als Diplommusikpädagogin und Diplomorchestermusikerin erworben. In ihrer neuen Heimatstadt wurde kurz zuvor das neue Sport- und Freizeitzentrum Ballhaus eröffnet. Mit einem Klassikkonzert mit Händels ,,Wassermusik“ wurde die Schule in der ebenso jungen Schwimmhalle des SFZ Ballhauses eröffnet. Aus den Konzertbesuchern gingen die ersten 33 Schüler hervor. Des Weiteren gehörten sieben Lehrer zum Startaufgebot. Schnell wuchs die Zahl der Schülerinnen und Schüler, so dass weitere Räume, wie zum Beispiel in der alten „Melle“ angemietet wurden.

Heute, 12 Jahre später, hat sich am Grundkonzept der Schule nichts geändert. Die Verbindung von hochwertigen Musik- und Tanzangeboten erfreut sich bei Kindern und Erwachsenen großer Beliebtheit. Im Durchschnitt besuchten und nutzten im vergangenen Jahr 442 Schülerinnen und Schüler fast jeden Alters die Bildungseinrichtung. 25 qualifizierte Musik- und Tanzlehrer sowie eine Bürokraft gehören zum Mitarbeiterstab. Längst haben sich Außenstellen der Musikschule in Ballenstedt, Staßfurt und Hettstedt etabliert. Seit 2014 zeugt das Qualitätssiegel des Bundes Deutscher Privatmusikschulen für Qualität und Zuverlässigkeit. 

Das Konzept ist einfach, aber wirkungsvoll: Musikalische und tänzerische Bildung für Schüler jeden Alters - von der Basisausbildung bis zur Spezialisierung. Bereits im Musikgarten lernen Kinder ab 6 Monaten im Beisein ihrer Mutter oder des Vaters Musik und Tanz über alle Sinne kennen.  In der musikalischen Früherziehung werden die Fähigkeiten vertieft. Je nach Interesse, muss der Schüler danach entscheiden, ob er im Musik- oder im Tanzbereich seine Fähigkeiten zu vervollkommnen sucht. Manche lernen auch beides. Ob es um das Erlernen eines Instrumentes, Gesangsunterricht, Tanzkurse von Ballett bis Zumba, Standardtänze, Hip Hop oder Breakdance geht, für jeden ist etwas dabei. Ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg liegt in der Verpflichtung gut ausgebildeter und engagierter Lehrer. Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern ist eine tägliche Herausforderung. 

Die alljährlichen Sommerfeste der Schule im Freibad, auf der Terrasse des Dschungelcafés im Zoo, in der Margaretenkirche, auf den Eine-Terrassen oder im Stadtpark sind auch kulturelle Höhepunkte im Leben der Stadt. Ebenso beliebt ist die alljährliche Weihnachtsgala im Bestehornhaus mit einem fast dreistündigen Programm der Schülerinnen und Schüler. Schüler-Ensembles und Solisten der Schule bereichern mit ihren Auftritten das öffentliche Leben der Stadt. So sind sie zum Beispiel bei Vereinsfeiern, bei Selbsthilfegruppen, in Kindergärten und Schulen oder beim Gildefest sehr gern gesehene Gäste.

Zusätzlich bestehen Kooperationsvereinbarungen mit 7 Schulen und 9 Kindertagesstätten. Anzumerken ist, dass Beatrix Lampadius dies alles gelang, ohne eine öffentliche Förderung in Anspruch zu nehmen. Privates Engagement Einzelner und die kostendeckenden Beiträge der Eltern bzw. Schülerinnen und Schüler ermöglichen das vielfältige Angebot. 

Mittlerweile ist Beatrix Lampadius Mutter von drei Söhnen im Alter von 5, 12 und 15 Jahren. Als Oboistin ist sie ständiger Gast im Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters sowie in freien Orchestern. Sie ist Gründungsmitglied im Ensemble ,,Poulence-Trio“, das bei zahlreichen Auftritten in Deutschland die Musik der französischen Moderne pflegt. Darüber hinaus engagiert sie sich ehrenamtlich in ihrer Heimatstadt Aschersleben. Als Mitglied im Verein „Kultur pur erleben“ e.V. hat sie die Musikreihe „Klassik im Denkmal“ ins Leben gerufen. Bis zu fünf Konzerte im Jahr werden von ihr in der Weißen Villa nahe der Herrenbreite organisiert.

Die Leidenschaft für die Musik entdeckte Beatrix Lampadius mit 8 Jahren. Ihr erstes Instrument war die Blockflöte. Mit 11 Jahren entschied sie sich für das Instrument Oboe und lernte später auch Klavier spielen. Im Alter von 15 Jahren begann sie ihre Ausbildung an der Spezialschule für Musik in Halle, dem heutigen Landesgymnasium Latina „August Hermann Francke“. Mehrfache Auszeichnungen z.B. beim Talentetreffen der DDR sowie später beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ folgten. Nach dem Abschluss ihres Doppelstudiums im Jahr 2000 absolvierte sie, parallel zur Existenzgründung in Aschersleben, zwischen 2002 und 2005 ein Zusatzstudium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig im Fach Barockoboe. Ihr zweiter Sohn Ludwig kam 2004 - genau in der Gründungs-Phase zur Welt.

Oberbürgermeister Andreas Michelmann in der Laudatio: „Sie haben viel erreicht in den vergangenen 12 Jahren und noch einiges vor. Sie bereichern mit ihrem Lehrerkollegium das Leben vieler großer und kleiner Menschen in unserer Stadt. Einige ihrer Schüler sind bereits Botschafter des Musiklebens unserer Stadt, in dem sie - ebenso wie Sie einst – den Weg zum Musikzweig des Landesgymnasiums in Halle gefunden haben oder erfolgreich beim Wettbewerb ,Jugend musiziert‘ in Erscheinung traten. Sie setzen auf Klasse statt Masse und verbinden ihr Engagement mit der Hoffnung, dass eine gute musikalische und tänzerische Ausbildung nicht vom Geldbeutel der Schülerinnen und Schüler oder deren Eltern abhängig sein darf. Hier wünschen Sie sich für die Zukunft eine politische Weichenstellung in die richtige Richtung.“

Die Preisjury erkennt die hervorragende Bildungsarbeit, die an Ihrer Tanz- & Musikschule geleistet wird, an und zeichnet Sie dafür mit dem Bildungspreis 2017 aus.


Alexander Erpilev:

Hinreißende Frische, jugendliche Begeisterung und erstklassige Qualität – mit diesen Worten hat eine Zeitung ein Konzert der Big Band Aschersleben beschrieben. Fleiß, Leidenschaft und Talent ließen sich genauso wie viele andere lobende Worte mehr hinzufügen. Einen erheblichen Anteil an dem exzellenten Ruf, den die Big Band Aschersleben in unserer Stadt, aber auch weit über ihre Grenzen hinaus genießt, trägt Alexander Erpilev – Musiklehrer an der Kreismusikschule des Salzlandkreises „Bela Bartok“, Leiter der Big Band Aschersleben und Bildungspreisträger 2017.

Im Jahr 2001 begann Alexander Erpilev als Musiklehrer in Aschersleben zu arbeiten. Zuvor war er mit seiner Familie aus Russland eingewandert. Dort arbeitete der studierte Musiker zuletzt als Leiter der Blasinstrumente-Fakultät an der Fachhochschule für Musik in Nischni Tagil. Der Start im neuen Beruf war ernüchternd: Es gab beispielsweise keine Orchesterband, keine Bläserklasse, nur wenige Instrumente, die unterrichtet wurden. Keyboard, Gitarre, Klavier - für andere Instrumente interessiere sich keiner, war die Aussage der neuen Kollegen.

Nach und nach gewann Alexander Erpilev Musikschüler um Musikschüler - darunter zahlreiche Schüler des Gymnasiums Stephaneum. Der Wunsch, eine Band aufzubauen, blieb. Und so suchte er im Jahr 2006 das Gespräch mit der damaligen Leiterin des Stephaneums, Frau Dr. Hildegard Mierzwa. Ebenfalls seit damals der Big Band treu verbunden: Dieter Giesemann, Leiter der Kreismusikschule des Salzlandkreises „Bela Bartok“, und Grit Geschke, Leiterin des Stephaneerchores. Im November 2006 folgte die Gründung der Big Band Aschersleben - seitdem und bis heute ein gemeinsames Projekt der Kreismusikschule und des Stephaneums.

Der Big Band, die mit einer Besetzung von 15 Schülern begann, gehören heute mehr als 60 Mitglieder verschiedensten Alters an. Drei Besetzungen gibt es. Vom Grundschüler bis zum Erwachsenen - jeder kann mitmachen. Was zählt, ist Leidenschaft für die Musik. Dafür üben die Band-Mitglieder jeden Freitagnachmittag. Ab 14.30 Uhr heißt es in der Musikschule „Big Band Time“, wenn die Mädchen und Jungen der A-, B- und C-Band mit ihren Instrumentenkoffern zur Probe erscheinen. Wenn für andere langsam das Wochenende beginnt, wird in den Räumen der Musikschule fleißig geswingt.

Vorbild, Lehrer und Motivator: Alexander Erpilev hat in den vergangenen Jahren die Mitglieder der Big Band zu einem talentiert, frisch, beherzt und leidenschaftlich spielenden Klangkörper geformt. Außerdem leitet er ein Bläserprojekt an der Montessori-Schule. „Seine Art, junge Menschen zu führen, ist von so viel Freude und Verständnis geprägt, dass dieser Mann für seine Leistung unsere Hochachtung und Verehrung verdient“, heißt es in jenem Schreiben der Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule, mit dem Alexander Erpilev für den Bildungspreis 2017 vorgeschlagen wird.
Er überzeugt mit Leistung und durch Empathie, heißt es darin auch. Das trifft auch auf die Big Band Aschersleben zu. Bei den jährlichen Sommer- und Weihnachtskonzerten reißen die jungen Musiker - immer wieder auch gemeinsam mit dem Stephaneer-Chor - das Publikum von den Sitzen. Aus einer Vorstellung pro Weihnachtskonzert sind mittlerweile drei geworden - allesamt bis auf den letzten Platz besetzt.

Herr Erpilev versteht sich in erster Linie als Musiklehrer, der die Big Band aus dem Einzelunterricht seiner Schüler entwickelt und aufgebaut hat. Auftritte und Erfolge des Orchesters zeugen von der sehr guten Ausbildung, die er den Schülern und der Band angedeihen lässt: Da sei der erste Platz beim Landeswettbewerb „Jugend jazzt“ 2013 in Quedlinburg genannt oder die erfolgreiche Teilnahme am Bundesausscheid 2014 in Stuttgart, der Gewinn eines Workshops mit dem ersten Trompeter der NDR-Bigband Ingolf Burkhardt als Preis beim mitteldeutschen Big-Band-Treffen 2015 oder Auftritte in der Staatskanzlei in Magdeburg. Das schriftliche Fazit Ingolf Burkhardts lautet: „Ich hatte das große Vergnügen, mit der Big Band Aschersleben einen Tag verbringen und arbeiten zu dürfen. Ich bin noch immer beeindruckt von der Qualität und der Spielfreude der jungen Musiker. Was Herr Erpilev und sein Team da leisten, ist unglaublich. Aschersleben darf stolz sein auf so ein fantastisches Ensemble.“ (Zitat Ende) Die Big Band Aschersleben ist preisgekrönt, tritt in ganz Deutschland auf und hat im Jahr 2016 ihr zehnjähriges Bestehen mit einem grandiosen Konzert gefeiert.

Oberbürgermeister Andreas Michelmann in der Laudatio: „Sehr geehrter Herr Erpilev, Sie sagen bescheiden, wie es ihre Art ist, die Arbeit als Musiklehrer mit den Schülern und mit der Big Band Aschersleben ,macht einfach Spaß‘. Das kann ich so erwidern: Der Big Band Aschersleben zuzusehen und zuzuhören macht einfach Spaß. Und es macht uns Aschersleber stolz! Vielen Dank für Ihr Engagement.“

Die Preisjury erkennt die hervorragende Bildungsarbeit an, die Alexander Erpilev in den vergangenen Jahren in Aschersleben geleistet hat und zeichnet ihn dafür mit dem Bildungspreis 2017 aus.


Aschersleben, 5. Januar 2017