Steffen Claus ist Bürgerpreisträger der Stadt Aschersleben 2020

Steffen Claus, Wegbereiter und Gesicht des Aschersleber Kriminalpanoptikums, wird in diesem Jahr der Bürgerpreis 2020 der Stadt Aschersleben für sein unermüdliches, herausragendes bürgerschaftliches Engagement rund um das Kriminalpanoptikum seit dessen Entstehung, aber und gerade auch für seinen Einsatz in der kriminalpräventiven Beratung von Kindern und Eltern verliehen. 

Sherlock Holmes – in dieser Rolle ist Steffen Claus zahlreichen Kindern und Eltern in Aschersleben, aber auch in Kitas und Grundschulen in ganz Sachsen-Anhalt bekannt. Ihm ist die Arbeit als Kriminalist mit Feingespür und Witz wie auf den Leib geschneidert – schließlich weiß der Polizeihauptkommissar a.D. wovon er spricht. Jung und Alt lassen sich von ihm durch das Kriminalpanoptikum führen und in die Kriminalgeschichte mit einem Augenzwinkern entführen. Mit Leib und Seele stellt er sich in den Dienst für das Kriminalpanoptikum und seine landesweit bekannte Agentur „Schutzengel“. 

Ein Blick in die Vergangenheit lohnt sich, um zu verstehen, welche Arbeit in dem Erreichten steckt. Schon im Jahr 1998 wurde der Plan geboren, in den Räumen des ehemaligen Stadtgefängnisses ein Kriminalpanoptikum unterzubringen. Auf Grund der Historie ist dies naheliegend. In dem damaligen Stadtarchivar Hans-Peter Nielitz, Museumsleiter Udo Schulz sowie Oberbürgermeister Andreas Michelmann fand Steffen Claus tatkräftige Unterstützer. Mit der Eröffnung des Kriminalpanoptikums im Juni 2003 konnte der erste Meilenstein der Einrichtung erreicht werden. Schmunzelnd erinnert sich Steffen Claus daran, dass für das Kriminalpanoptikum 4 Räume vorgesehen waren. Am Ende war es eine ganze Etage.

Zu Beginn betreute Steffen Claus das Kriminalpanoptikum ehrenamtlich – von seinem damaligen Dienstsitz in Dessau aus. Mit dem Eintritt in die Ruhephase der Altersteilzeit 2007 war er noch mehr Garant für feste Öffnungszeiten. Die vergangenen 17 Jahre hat er Mittwoch wie Sonntag – die ersten Jahre auch donnerstags – die Stellung gehalten. Unterstützt wird er dabei bis heute von den Mitarbeitern des Stadtarchives. Aus bis zu 100 Kilometern Entfernung kommen die Besucher angereist – die Sonntage sind stets ausgebucht, Kindergeburtstage im Kriminalpanoptikum stehen immer hoch im Kurs, doch beispielsweise kann Steffen Claus auch Senioren zur Weihnachtsfeier dort begrüßen.

Doch selbst die besten Ausstellungsstücke – etwa 80 Prozent der Sammlung gehören Steffen Claus bzw. dem von ihm gegründeten Serviceverein, 10 bis 15 Prozent sind Dauerleihgaben der Polizei – helfen nichts, wenn Kindern und Erwachsenen die Inhalte nicht auf besondere Weise nahegebracht werden. Zwei wesentliche Botschaften hat Steffen Claus insbesondere für seine jungen Besucher: Ängste abbauen und Selbstbewusstsein fördern. Mit einem Augenzwinkern vermittelt er seinen Besuchern, dass es in Sachen Kriminalität und Gewalt keine festen Feindbilder gibt. Der böse fremde Mann? Mitnichten, weiß Steffen Claus. 60 Prozent der Täter kommen aus dem familiären Umfeld, nur 5 Prozent der Straftaten werden durch Fremde verübt. Ein Erwachsener greift ein Kind an? Stärke hilft da nicht, aber LAUTstärke! „Wir müssen Kinder nicht stark machen, sondern schlau machen“, bringt es Steffen Claus auf den Punkt. Und genau dazu nutzt er die Ausstellung. Im Kriminalpanoptikum wird Präventionsarbeit erlebbar. 

Untrennbar mit dem Kriminalpanoptikum verknüpft ist auch die Gründung der Agentur Schutzengel sowie wenige Jahre zuvor des bereits genannten Servicevereins für Polizeigeschichte und Prävention e.V. Im Rahmen der Präventionsarbeit ist Steffen Claus in Kindergärten und Grundschulen in ganz Sachsen-Anhalt unterwegs und wirbt damit auch für Aschersleben und das Kriminalpanoptikum. 

Doch damit wird ab diesem Jahr weitestgehend Schluss sein. Steffen Claus, 68 Jahre alt, möchte seine Reisetätigkeit reduzieren. Auch weiterhin fährt Steffen Claus jeden Mittwoch und Sonntag unermüdlich ins Kriminalpanoptikum, egal ob es stürmt, regnet oder schneit, ob bei Sonnenschein oder an Feiertagen. Er ist und bleibt Garant der Öffnungszeit an diesen Tagen. Doch Termine mit der Kinderpolizei in Kitas und Grundschulen werden zukünftig die Ausnahme sein. In seiner Funktion als Autor und als Mitglied des Friedrich-Bödecker-Kreises ist er ohnehin noch genügend unterwegs.

Seit mehr als elf Jahren ist Steffen Claus nun als Kinderpolizist mit der Agentur Schutzengel tätig und unterwegs. Er wird nicht müde, das Kriminalpanoptikum in der Öffentlichkeit zu vertreten und sucht aktiv den Kontakt zu den Medien. Das Kriminalpanoptikum ist sein Lebenswerk. Gerade in der heutigen Welt kann dieser Einsatz für unsere Kleinsten nicht hoch genug geschätzt werden. Aus diesem Grund hat die Jury sich entschieden, den Bürgerpreis der Stadt Aschersleben 2020 an Steffen Claus zu verleihen. 

(c) Stadt Aschersleben

Aschersleben, 3. Januar 2020