Ascherslebens Einzelhandel kann sich durchaus sehen lassen

Seit Mai 2017 ist Frank Fischer der Citymanager von Aschersleben und damit Bindeglied zwischen Gewerbe, Einzelhandel, lokaler Wirtschaft sowie der Kaufmannsgilde und der Verwaltung der Stadt Aschersleben. Zeit, Bilanz zu ziehen und die aktuelle Situation des Einzelhandels in Aschersleben einzuschätzen.

Im Mai 2020 gab es in Aschersleben 260 Gewerbetreibende in der Innenstadt. 104 Geschäfte sind dem klassischen Einzelhandel zuzuordnen, davon 62 Geschäfte in den Straßen Breite Straße, Markt, Krügerbrücke, Taubenstraße, Holzmarkt, Hecknerstraße, Bestehornstraße, Bonifatiuskirchhof, Wilhelmstraße, Hohe Straße, Lange Reihe, Vorderbreite, Hinter dem Turm, Vor dem Johannistor, Hinterbreite, Johannisplatz sowie Johannispromenade, die entsprechend des Stadtratsbeschlusses besonders im Fokus der Bemühungen des Citymanagers liegen. 30 Geschäfte sind im Bereich Bekleidung/Textil angesiedelt. Es gibt 5 Schuhläden, 32 Lokale aus dem Bereich Essen und Trinken (19 Cafés/Restaurants und 13 Imbisse/Bistros), 12 Lebensmittelgeschäfte (Bäcker, Fleischereien, Fisch und Feinkost etc.) sowie 116 Dienstleister in der erweiterten Innenstadt (diese umfasst beispielsweise auch den Seegraben, Weinberg, Über den Steinen, Am Grauen Hof und die Kurze Straße). Hier sind insbesondere 41 Geschäfte im Bereich Körperpflege aktiv – 15 Friseure, 15 Nagel- und Kosmetikstudios sowie 2 Sonnenstudios, aber auch 15 Versicherungsbüros, 7 Standorte von Kreditinstituten und 5 Ansiedlungen der Branchen Druck/Werbung.

Insbesondere die inhabergeführten Geschäfte und Lokale haben die corona-bedingten Schließungen spürbar getroffen, weiß Frank Fischer aus zahlreichen Gesprächen. „Viele haben jedoch im Zuge dessen neue Services etabliert oder wenn es dies schon gab noch ausgeweitet, wie Online-Bestellungen und spätere Abholung und insbesondere die Nutzung sozialer Netzwerke, um die Geschäfte und das Sortiment zu bewerben. Diese Angebote wurden gut genutzt und haben regen Zuspruch erfahren. Oft waren sich die Geschäftsführer sicher, einige dieser Services auch nach der Corona-Pandemie beizubehalten.“ Die ansässigen Filialisten wie beispielweise Liberty, New Yorker oder mister & lady berichten hingegen von nur wenigen Veränderungen im Kundenzuspruch. Doch auch hier wurde der Online-Auftritt oftmals attraktiver gestaltet.

Immer wieder sind es vor allem leerstehende Ladenlokale, die in der Bevölkerung für Gesprächsstoff sorgen. „Seitdem ich das Leerstandsmanagement führe, gab es in dem Gebiet, auf das das Citymanagement besonderen Fokus legen soll, rund 70 Veränderungen – also Umzüge, Neuzugänge, Geschäftsschließungen“, sagt Fischer. In den Straßen Über den Steinen und Tie gibt es aktuell keinen Leerstand bei den Ladenlokalen. Auch die Objekte „Lederer“ und „La Torre“ am Johannistorturm haben noch längerem Leerstand mittlerweile wieder neue Betreiber gefunden. Für drei weitere Objekte sind ebenfalls neue Nutzungen in den kommenden Wochen bekannt. „Es ist konstant Bewegung im Markt. Aktuell zähle ich 44 Leerstände, dazu zähle ich beispielweise auch den Scharren“, so Fischer. Von diesen 44 Geschäften sind 15 in guter Lage sofort beziehbar und 15 sind nicht oder nur eingeschränkt nutzbar. Sofort beziehbar ist unter anderem ehemals Deichmann, Krügerbrücke 5. „Ein perfekter Standort z. B. für einen innerstädtischen Lebensmittelmarkt“, findet der Citymanager und ist mit dieser Idee auch schon an Gewerbetreibende und Filialisten herangetreten. Doch manche Ansiedlungen sind schwer umzusetzen. „Eine Stadt wie Aschersleben bräuchte aus meiner Sicht beispielsweise einen Tchibo.“ Auch in diesem Fall hat Frank Fischer bereits in der Firmenzentrale vorgefühlt und eine Absage erhalten. Ein weiterer Wunsch wäre ein Fahrradgeschäft im Bereich der Innenstadt. Seit Schließung des Geschäftes Zweirad Mente im September 2018 am Holzmarkt gibt es nur noch einen weiteren Fahrradladen.

Die Gründe, warum Neu-Ansiedlungen oder Geschäftsnachfolgen letztlich scheitern, sind vielfältig. Unsanierte Räumlichkeiten, zu hohe Mieten, zu niedrige Umsätze, die die Weiterführung von Geschäften für Nachfolger unwirtschaftlich macht. „Ich versuche für jeden ein passendes Angebot zu finden. Oft klappt es, aber eben nicht immer. Man darf zum Beispiel auch den Online-Handel nicht vergessen. Es ist nicht mehr wie 1990, als jeder unbedingt zum Einkaufen in die Stadt musste.“

Gerade deshalb ist es auch eine Aufgabe des Citymanagers, bei der Organisation, Koordination und Durchführung der verschiedensten Veranstaltungen und Aktionen der Aschersleber Kulturanstalt und der Kaufmannsgilde mitzuwirken, um ein Einkaufserlebnis in der Innenstadt zu erzeugen, diese attraktiver zu machen und zum Bummeln und Verweilen einzuladen. So sind in den vergangenen Jahren Innenstadtmöbel angeschafft worden – Bänke, Fahrradständer, Spielgeräte. Das 3-DStadt-Modell auf dem Holzmarkt ist nach wie vor ein echter Hingucker. Das Pflasterfestival, „Meine Stadt ist bunt“ oder das After-Work-Shopping an einem Freitagnachmittag vor wenigen Wochen sind solche Bemühungen, Ascherslebens Innenstadt gemeinsam noch attraktiver zu machen.

Bedarfe erfragen, Gewerbeimmobilien vermitteln, der Besichtigung organisieren, die Gewerbetreibenden mit Rat und Tat unterstützen – die weiteren Aufgabenfelder des Citymanagers sind vielfältig und oftmals nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Durch das immer weiter ausgebaute Netzwerk mit den verschiedensten Akteuren der Innenstadt war es in den vergangenen Monaten möglich, für leerstehende Ladenlokale neue Mieter an die Eigentümer zu vermitteln. Unter anderem war Frank Fischer aber auch involviert in die Museums-Aktion „EineStadt – dein Museum“ sowie in die Umsetzung der Vereinsschaufenster. Er betreut und organisiert den Grünen Markt, arbeitet eng mit der Aschersleber Kaufmannsgilde zusammen. Im Rahmen der verkaufsoffenen Sonntage ist er ebenfalls Ansprechpartner.

Apropos verkaufsoffene Sonntage: In Aschersleben finden in diesem Jahr noch zwei verkaufsoffene Sonntage statt.

  •  am 13. September – Tag der Regionen mit einem regionalen Herbstmarkt und Heimat-Shopping
  •  am Adventssonntag, 20. Dezember, mit Weihnachtsmarkt

Foto: Stadt Aschersleben

Aschersleben, 22. Juni 2020