Bildungszentrum Bestehornpark: Von der Papierwaren- zur Denkfabrik

Mit dem Ausbau der Mensa wurde am 20. Dezember 2017 das Bauprojekt nach 14 Jahren abgeschlossen

Die Mensa bietet Platz für rund 150 Schülerinnen und Schüler, die Caféteria bietet 35 Gästen Platz. In der Mensa erfolgt die Schulspeisung für die Schülerinnen und Schüler der Adam-Olearius-Schule, der Freien Montessori-Schule, der evangelischen Grundschule Aschersleben „Philipp Melanchthon“ sowie der Fachhochschule Polizei des Landes Sachsen-Anhalt, die im Bestehornpark unterrichtet werden. Die Caféteria steht allen Besuchern des Bestehornparks zur Verfügung.

Die Gesamtfläche der Mensa beträgt rund 700 Quadratmeter. Neben dem Essensbereich ist eine Ausgabeküche vorhanden, die auch die Zubereitung frischer Mahlzeiten bei Bedarf ermöglicht. Es wurde eine Fußbodenheizung verbaut sowie LED-Beleuchtung. Am 4. Januar 2018 werden die Mensa sowie die Caféteria in Betrieb genommen. Betreiber ist die Works gGmbH. Die Baukosten belaufen sich für den Ausbau zur Mensa auf rund 1,33 Millionen Euro. Dabei profitierte die Stadt Aschersleben von Fördermitteln aus dem Bund-Länder-Programm „Stadtumbau Ost“  in Höhe von 891.000 Euro.

Für die Ausbauplanung war von der Ingenieursplanungsgesellschaft Wohlrab, Landeck & Cie. mbH aus Aschersleben geplant. An der Realisierung waren elf Firmen aus der Region in verschiedenen Gewerken wie Trockenbau, Heizung, Elektroarbeiten, Maler-, Estrich- und Bodenbelagsarbeiten sowie Sanitär beteiligt.

Die Entwicklung des Bildungszentrums Bestehornpark in der Übersicht:
Die Stadt Aschersleben hat sich im Jahr 2003 dazu entschlossen, die Bildung in das Zentrum ihrer Aktivitäten zu stellen. Schaffung eines „hervorragenden Bildungsangebotes“ heißt es im Leitbild. Parallel wurde der Handlungsdruck, die Stadtbild prägende Papierwarenfabrik der Familie Bestehorn endlich zu sanieren, immer größer, denn das denkmalgeschützte, aber verfallene Hauptgebäude Hans Heckner aus dem Jahr 1911 verfiel zusehends. Aschersleben steckte sich die Ziele, diesen städtebaulichen Missstand zu beseitigen und rund 1.000 Menschen – Schüler, Lehrer und Angestellte – auf dem Areal anzusiedeln. Es gelang schließlich, eine innerstädtische Industriebrache aufzuwerten und gleichzeitig einen neuen Lernort zu schaffen, wie er in Sachsen-Anhalt einmalig ist. 

Die Gesamtkosten für die Entwicklung des Bildungszentrums Bestehornpark belaufen sich auf rund 31,3 Millionen Euro. Der Fördermittelanteil liegt bei rund 14,6 Millionen Euro, der Eigenanteil der Stadt Aschersleben bei rund 16,7 Mio. Euro. Die Förderung erfolgte aus Mitteln der Europäischen Union, des Bund und des Landes Sachsen-Anhalt.

Ein moderner Schulcampus mit Grundschulen, einer integrierten Gesamtschule und Berufsschule sollte entstehen. Eine Projektgruppe innerhalb der Stadtverwaltung unter Leitung des Oberbürgermeisters begann sich intensiv mit dem Vorhaben „Von der Industriebrache zur Denkfabrik“ zu beschäftigen. Rückenwind bekam das Projekt durch die Internationale Bauausstellung IBA Stadtumbau 2010 – er wurde ihr zentrales Projekt in Aschersleben – und durch die Landesgartenschau 2010, für deren Realisierung der „Transitraum Bestehornpark“ unverzichtbar wurde.

2003-2005
Parallel zur Nutzersuche begann im Jahr 2003 der Abriss der alten Shet-Hallen und der Nebengebäude. Nur die historisch bedeutsamen Häuser, wie das Ensemble von Hans Heckner, blieben unangetastet. Im Jahr 2005 lobte die Stadt einen europaweiten Architektenwettbewerb für das Areal aus –  mit dem Ziel, einen Schulbau zu erhalten, in dem sich beispielhaft und zukunftsweisend reformpädagogischer Unterricht umsetzen lässt. Aus dem Wettbewerb ging das Stuttgarter Büro Lederer + Ragnarsdóttir + Oei als Sieger hervor. Die Architekten öffneten die Decken des alten Fabrikgebäudes mit einem Lichtschacht und fügten im rechten Winkel an das Heckner-Haus einen futuristischen Riegelbau mit zerklüfteter Dachlandschaft an. Dieser zeigt wie ein Finger auf die beiden freien Grundschulen (Montessori und Christliche), die sich zu diesem Zeitpunkt bereits in den Familienvillen befanden. Vervollkommnet wurden die Planungen durch das Berliner Landschaftsarchitekturbüro Sinai, welches für die Landesgartenschau einen grünen Schulcampus entwarf.

2008-2010
Im August 2008 vollzogen Oberbürgermeister Andreas Michelmann und Sachsen-Anhalts Bauminister Dr. Karl-Heinz Daehre den offiziellen Spatenstich für den 1. Bauabschnitt. Pünktlich zur Eröffnung der IBA und der Landesgartenschau konnten der sanierte Altbau und der Neubau am 16. April 2010 den Nutzern übergeben werden.
Die Kinder der Adam Olearius Schule, einer freien Ganztagsschule, lernen seitdem in den unteren beiden Etagen des Altbaus. Das IWK, Institut für Weiterbildung in der Alten- und Krankenpflege, nutzte von 2010 bis 2017 im 2. und 3. Obergeschoss weitere Unterrichtsräume. Mit dem Auszug des IWK zum September 2017 werden diese Räume nun durch die Fachhochschule Polizei des Landes Sachsen-Anhalt genutzt.

Die seit dem Jahr 2010 bestehende Kreativwerkstatt nutzt Räumlichkeiten im Kopfbau sowie im Riegelbau. Im 2. Dachgeschoss des Kopfbaus sind moderne Tagungsräume entstanden, die von Unternehmen und Verbänden für Seminare und Sitzungen angemietet werden können. Parkmöglichkeiten gibt es nun auch in einer Tiefgarage unter dem Hauptgebäude.
Die Familienvillen konnten mit Hilfe des Ganztagsschulprogramms des Bundes, mit Mitteln der Städtebauförderung und mit Unterstützung der Stadt Aschersleben saniert werden und beherbergen seit mehreren Jahren zwei freie Grundschulen: die Christliche und die Montessori Grundschule. Den ehemaligen Familiensitz der Bestehorns, die Weiße Villa, erwarb die „Lebenshilfe Harzvorland“ im Jahr 2008 und baute sie zu einer Bildungs- und Begegnungsstätte aus. Zwei weitere Gebäude der Bestehorns, das „Magazin“ und die „Alte Tischlerei“ konnten ebenfalls umgenutzt werden und bieten heute moderne Büroräume.

2011
Der Stadtrat hat am 2. November 2011 einstimmig die Gründung der Grafikstiftung Neo Rauch beschlossen. Nach Fertigstellung des 1. Bauabschnittes im Bildungszentrum stand das Jahr 2011ganz im Zeichen des weiteren Innenausbaus und der Planungen für weitere Nutzungen. Im Erdgeschoss des Heckner-Riesen entstanden auf einer Fläche von insgesamt 270 m2 weitere Klassenräume, eine Aula, der Schulleitungsbereich und eine weitere WC-Anlage für die Adam Olearius Schule. Nach dem Ausbau des 4. Obergeschosses konnte das Verwaltungsarchiv der Stadt dort konzentriert werden.

2012
Zwischen Januar und Mai 2012 erfolgte der Ausbau eines Teils des 1. Obergeschosses im Riegel für den Bereich Grafikstiftung auf einer Fläche von ca. 375 m2. Die Eröffnung der Grafikstiftung Neo Rauch fand am 1. Juni 2012 statt.
Des Weiteren entstand eine neue Zwei-Feld-Sporthalle mit einer Länge von 60 Metern und einer Breite von 30 Metern. Bis heute ist die Sporthalle durch Schul- und Trainingsbetrieb vollständig ausgelastet. Sieben Schulen sowie mehrere Vereine nutzen die Halle, die über zwei Handballfelder und ein Basketballfeld verfügt. Auch ist Volleyball und Hallenfußball möglich. Die Besuchertribüne bietet bis zu 100 Personen Platz. Die Eröffnung fand am 6. Januar 2013 statt.
Eine besondere Ehre wurde der Stadt Aschersleben und dem Stuttgarter Architekten Arno Lederer zuteil: Das Ensemble des Bildungszentrums Bestehornpark war als Modell im Architekturmuseum Frankfurt zu sehen. Unter dem Titel „DAM – PREIS FÜR ARCHITEKTUR IN DEUTSCHLAND 2011-Die 23 besten Bauten in/aus Deutschland“ stellte das Museum jene Bauprojekte vor, die im Jahr 2011 den Sprung in das Deutsche Architektur Jahrbuch geschafft haben.

2013
Der Ausbau des 1. Obergeschosses im Riegel wurde weiter vorangetrieben. Neben einem Dozentenzimmer für die Kreativwerkstatt sowie einem Archiv- und Besprechungsraum für die Grafikstiftung Neo Rauch entstand ein 120 m2 großer Raum, der bis zur Einweihung der Mensa im Erdgeschoss als Mensa diente.
Zudem wurde mit der Gestaltung der Freiflächen im Bestehornpark begonnen.

2014
Nach zehnmonatiger Bauzeit konnte die sportliche Infrastruktur vollendet werden. Im Frühjahr 2014 ist eine Weitsprunggrube, eine Kugelstoßanlage  sowie eine 50-Meter-Laufbahn für die Kinder freigegeben worden. Eine deutschlandweite Neuheit waren die beiden Außenspielflächen – ein Handball- und ein Fußballfeld – die mit einem neuartigen Sportboden aus Holzpolymerstoffen belegt wurden.
Im April 2014 konnten auch die Arbeiten am Schulhof der Christlichen Grundschule Aschersleben „Philipp Melanchthon“ abgeschlossen werden.
Gefördert wurde der Ausbau der Freiflächen durch die Europäische Union, den Bund und das Land Sachsen-Anhalt.
Zudem konnten im 2. Obergeschoss des Riegels 4 Atelierräume und ein Ausstellungsraum fertiggestellt werden. Während des Schuljahres nutzt die Kreativwerkstatt die Räume, in den Sommerferien dienen sie internationalen Künstlern im Rahmen des Internationalen Sommerateliers als Ateliers.

2015-2017
Im Jahr 2015 beginnen die Planungen für den Ausbau der Mensa im Erdgeschoss des Riegels. Es ist das letzte bauliche Vorhaben im Bildungszentrum Bestehornpark in dessen Entwicklung von der Papier- und Denkfabrik.
 
Die wichtigsten Meilensteine „Von der Papierwaren- zur Denkfabrik“: 
März 2003 Aschersleben wird IBA-Modellstadt

19. März 2003 Abbruch Bestehornstraße 3 (Startschuss für das Projekt „Bildungszentrum Bestehornpark“)

September 2003  Freie Montessori-Grundschule nimmt Unterricht in der Villa Bestehornstr. 4 auf

5. Nov. 2004  Grundsatzbeschluss des Stadtrates, die Industriebrache OPTIMA in das Bildungszentrum „Bestehornpark“ umzubauen

September 2005 Christliche Grundschule beginnt mit dem Unterricht  in der Bestehornstr. 5

19. Sept. 2005 europaweite Bekanntmachung des städtebaulichen Realisierungswettbewerbes „Bildungszentrum Bestehornpark“

3. Mai 2006  Vergabe der Architektenleistungen aus dem Realisierungswettbewerb „Bestehornpark“ an das Architekturbüro Lederer + Ragnarsdóttir + Oei (Stuttgart) durch den Stadtrat

Juli 2007 Umbau der Alten Tischlerei zu einem gewerblich nutzbaren Geschäftshaus

Juli 2008 Genehmigung der freien Sekundarschule Adam Olearius durch das Land Sachsen-Anhalt – Einzug in den Heckner-Riesen im Jahr 2010

28. Aug. 2008  Öffentlicher Baustart Bestehornpark (Spatenstich)

29.05.2009 Richtfest Bildungszentrum Bestehornpark

16. April 2010 Fertigstellung 1. Bauabschnitt im Bildungszentrum Bestehornpark
Offizielle Einweihung des Bildungszentrums, Eröffnung der Internationalen Bauausstellung in Aschersleben
 

2. November 2011 Stadtrat beschließt die Gründung der Grafikstiftung Neo Rauch

1. Juni 2012 Eröffnung der Grafikstiftung Neo Rauch

2011 Innenausbau im Erdgeschoss des Heckner-Riesens: Entstehung weiterer Räume der AOS; Ausbau des 4. Obergeschosses

6. Januar 2013 Eröffnung der 2-Feld-Sporthalle Bestehornpark

2013 Ausbau des 1. Obergeschosses im Riegelbau

11.10.2013 Spatenstich für die Freianlagen, Schulsportanlagen im Bestehornpark Bildungszentrum Bestehornpark

23.07.2014 Eröffnung der Frei- und Schulsportanlagen im Bestehornpark mit einer Weitsprunggrube, Kugelstoßanlage, 50-Meter-Laufbahn sowie 2 Außenspielflächen sowie Fertigstellung der Atelierräume im 2. OG im Riegel

2017 Fertigstellung der Mensa und Caféteria im Erdgeschoss des Riegelbaus

Bilder: Im Beisein zahlreicher Gäste eröffnete Oberbürgermeister Andreas Michelmann die Mensa (oberes Bild). Die Mensa bietet rund 150 Schülerinnen und Schülern für die Schulspeisung Platz und wird ab dem 4. Januar 2018 durch die Works gGmbH betrieben. Die anschließende Cafeteria steht hingegen jedermann offen.

 

Aschersleben, 20.12.2017