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Museumsschätze

In loser Folge zeigen wir an dieser Stelle einzigartige Objekte und Artefakte der Aschersleber Stadtgeschichte:

Vom 16. Oktober bis 09. November 2022 finden in Aschersleben die Jüdischen Kulturtage statt. Bezugnehmend auf die Veranstaltungsreihe zeigen wir an dieser Stelle ein

Schild als Zeugnis des nationalsozialistischen Boykotts jüdischer Geschäfte in Aschersleben

In der Dauerausstellung des Aschersleber Museums finden sich einige Zeugnisse zur Geschichte der Jüdinnen und Juden. Unter anderem zeugt ein Schild von dem Hass, der ihnen in der NS-Zeit entgegengebracht wurde: „Lasst euch nicht mit unten aufgeführten Firmen ein“, mahnt es. Unter den aufgelisteten Firmen findet sich auch das Kaufhaus S. & M. Crohn in der Breiten Straße 41a. Es wurde von Hermann Crohn, später von seiner Frau Alice betrieben.
Wer war Alice Crohn? Was ist ihre Geschichte?

Alice Crohn – Kauffrau, Mutter, Jüdin

Am 11. Mai 1878 wurde Johanne Alice Samson als Tochter des Kaufmanns Hugo Samson in Bernburg geboren. Über ihre Jugend ist nichts bekannt. Am 08. Februar 1901 heiratete sie den Kaufmann Hermann Crohn, zwischen 1901 und 1912 gebar sie vier Kinder – Ilse, Käte, Lilly und Henny.

Hermann Crohn hatte 1898 in Aschersleben am Markt 10 - Ecke Breite Straße - das Kaufhaus S. & M. Crohn gegründet. Die Geschäfte liefen so gut, dass er 1906 ein zweites Kaufhaus in Eisleben eröffnen konnte. 1914 ließ die Firma S. & M. Crohn in Aschersleben in der Breiten Straße 41a nach Plänen von Hans Heckner einen modernen Kaufhaus-Neubau errichten. Die Familie Crohn bezog die zweite Etage des Wohn- und Geschäftshauses.

1936 verstarb Hermann Crohn während einer Tel Aviv - Reise. Alice Crohn reiste allein in das nationalsozialistische Deutschland zurück und übernahm die Geschäfte ihres verstorbenen Ehemannes. Mit einer Beteiligung von 60 % als Gesellschafterin und tätige Teilhaberin war sie bis zum November 1938 zuständig für finanztechnische Angelegenheiten und Büroarbeit – dann wurde Juden und Jüdinnen untersagt, als Geschäftsführer tätig zu sein. Das Kaufhaus S. & M. Crohn wurde „arisiert“ und in Kaufhaus Werner Mayer umbenannt.

Bis 1942 lebte Alice Crohn in der Breiten Straße 41a. Am 16. November 1942 wurde sie zusammen mit sechs weiteren jüdischen Ascherslebern ins Ghetto Theresienstadt deportiert, von dort schließlich 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz.

Noch 1944 schrieb sie Briefe in die Heimat, dann riss der Kontakt ab. Es ist anzunehmen, dass sie in Auschwitz umgebracht wurde.

Die Geschichte der Aschersleber Juden im Museum

Das Städtische Museum Aschersleben setzt sich dafür ein mahnend an die Verfolgung der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erinnern. Noch in diesem Jahr wird die Dauerausstellung deshalb um ein ganz besonderes Ausstellungsmöbel ergänzt: Ein alter Schrank lädt dazu ein, in seinen Schubladen die Geschichte der einst aktiven, schon seit dem Mittelalter bestehenden jüdischen Gemeinde zu entdecken; aber auch, wie Antisemitismus auch heute noch in der Gesellschaft verbreitet ist.

Bei Anruf Ramdohr

„Guten Tag, hier spricht die Firma Ramdohr.“ So oder so ähnlich hat es sich angehört, als das erste Telefon in Aschersleben in Betrieb ging. Dabei handelte es sich um einen elektroakustischen Fernsprecher, den der Brite Alexander Graham Bell 1877 entwickelt hatte. Im Jahr 1880 wurde das Telefon in den Geschäftsräumen des Getreidehandels Ramdohr installiert. Die Firma am Markt 23 – neben dem heutigen Museumsgebäude – war somit direkt mit dem Speicher am Güterbahnhof in der Oststraße 9 verbunden.

Das erste „Telephon“ der Stadt ging bereits 1915 in den Besitz des damals noch recht jungen Aschersleber Museums über. Der Firmengründer Gustav Adolf Ramdohr persönlich überließ dem Magistrat der Stadt Aschersleben den „Horch- und Sprech-Apparat“ mit der Bitte, diesen dem Museum „einzuverleiben“. Dies bezeugt ein Originalschreiben vom 2. November 1915 in dem G. A. Ramdohr die Übergabe des Telefons bestätigt.

Nach Ramdohrs Privatanschluss dauerte es noch einige Jahre bis zur Einrichtung des öffentlichen Fernsprechverkehrs. 1887 wurden in Aschersleben Fernsprechanschlüsse mit dem Postamt und untereinander verbunden. Im Sommer des gleichen Jahres waren 32 Anschlüsse hergestellt, darunter vor allem die wichtigsten Firmen der Stadt wie die Papierwarenfabriken H.C. Bestehorn und G. Gerson, die Seifenfabrik Kuntze, die Maschinenfabrik Billeter und Klunz, die Braunkohlengruben, die Kaliwerke und die Zeitung „Anzeiger“. Zwei Jahre später erhielt Aschersleben eine Telefonverbindung nach Berlin. Die Redaktion des „Anzeiger“ führte das erste Gespräch mit einer Berliner Zeitung. In den folgenden Jahren erhöhte sich die Zahl der Fernsprech-Einrichtungen weiter. Für 1900 sind bereits 168 Anschlüsse für die mehr als 27000 Einwohner der Stadt nachgewiesen.

Das älteste Telefon der Stadt kann in der stadtgeschichtlichen Ausstellung bestaunt werden.