Stolperstein-Verlegung für Fritz und Meta Cohn

Im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ laden die Aschersleber Kulturanstalt und das Evangelische Kirchspiel Aschersleben
vom 14. Oktober bis 09. November 2021 zu den Jüdischen Kulturtagen Aschersleben ein.  
Mit Theater, Führungen, Liedern, Begegnungen und Gesprächen soll die Erinnerung wachgehalten und das jüdische Leben mit seiner Kultur erlebbar gemacht werden.

Es war ein strahlender Septembernachmittag, an dem die Erinnerungssteine für das Ehepaar Cohn in der Altstadt von Aschersleben, Jüdendorf 12, verlegt wurden. Lars Bremer, der Vorsitzende des Arbeitskreises „Geschichte jüdischer Mitbürger in Aschersleben“, begrüßte alle Anwesenden.
David Löblich, ebenfalls im Arbeitskreis engagiert, erzählte aus dem Leben von Fritz und Meta Cohn.
Fritz Cohn war der letzte jüdische Kantor, Lehrer und Prediger in Aschersleben.
Er wurde am 13. März 1906 in Breslau als Sohn des Fabrikaten Isidor Cohn und seiner Frau Fanny geboren. Fritz Cohn besuchte die Universität in Breslau und das Jüdisch-Theologische Seminar, er wurde allerdings dort noch nicht zum Rabbiner ordiniert.
Als 1935 der Prediger David Regensburger in Aschersleben verstorben war, suchte die Gemeindevertretung eine Nachfolge und man wurde mit Fritz Cohn fündig.
In den Jahren 1935 und 1936 begann eine große Abwanderungsbewegung auch in der Jüdischen Gemeinde in Aschersleben; entweder in große Städte wie Berlin oder direkt ins Ausland. Die Gemeinde schrumpfte folglich immer mehr. Fritz Cohn stellte einen Antrag an die Gemeinde, um ihn aus dem Dienstverhältnis zu entlassen, da er in Gera zum Kultusbeamten berufen werden sollte.
Bis 1938 arbeitete Fritz Cohn dann für die Geraer Gemeinde und ging von dort mit seiner Familie nach Berlin. Ein Jahr später verließ die Familie das Land und siedelte nach Amerika über. Dort änderten Fritz und Meta ihre Namen in Franklin und Miriam.
Von 1949 bis zu seinem Tod war Fritz Cohn Rabbiner in verschiedenen Gemeinden in Los Angeles und in verschiedenen jüdischen und zionistischen Organisationen tätig. Franklin und Miriam Cohn sind in ihrem Leben nie wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Ein jüdisches Sprichwort lautet: Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist. Kleine mit Messing überzogene, in die Gehwege eingelassene „Stolpersteine“ verhindern dieses Vergessen seit nunmehr 15 Jahren in Deutschland und Europa.

Der Künstler Gunter Demnig initiierte das Stolperstein- Projekt, das seit vielen Jahren durch den Arbeitskreis „Geschichte jüdischer Mitbürger in Aschersleben“ auch in der ältesten Stadt Sachsen-Anhalts gelebt wird.

Hier das Programm der Jüdischen Kulturtage Aschersleben 2021.

Foto: Stadt Aschersleben

Aschersleben, 14. Oktober 2021