Vermieteraufruf

Privater Wohnraum für Asylbewerber und Flüchtlinge mit Bleiberechtsstatus gesucht
Krieg, politische Verfolgung, religiöse Diskriminierung – die Gründe, warum Menschen Asyl in Deutschland suchen, sind vielfältig. Mit der steigenden Anzahl an Flüchtlingen und deren Unterbringung setzt sich die Stadt Aschersleben weiterhin auseinander, auch wenn die Zuständigkeit in diesem Sachverhalt beim Landkreis liegt. „Wir wollen unseren Anteil dazu beitragen“, betont Oberbürgermeister Andreas Michelmann. Der Stadt Aschersleben sind (Stand 14.11.2014) 165 Asylbewerber/geduldete Flüchtlinge bekannt. Im Salzlandkreis werden es Ende Januar 2015 insgesamt rund 900 Flüchtlinge sein. In der Gemeinschaftsunterkunft in der Dr.-Wilhelm-Feit-Straße sind ausschließlich alleinstehende Männer untergebracht – aktuell sind es 132.

Doch auch eine dezentrale Unterbringung soll nach Ansicht der Stadt erfolgen. In Absprache mit dem Landkreis, hat Oberbürgermeister Andreas Michelmann diesbezüglich bereits Ende 2014 Vertreter hiesiger Wohnungsunternehmen an einen Tisch geholt. Im Ergebnis stehen 21 Wohnungen (10 von der AGW, 7 Wohnungsgenossenschaft Einigkeit, vier Wohnungen der Vorharzer Heimstätte in Neu Königsaue) zur Verfügung, die durch den Landkreis bereits zum Teil daraufhin geprüft wurden, ob sie im Rahmen der Bedingungen zur Flüchtlingsunterbringung liegen – oder es noch werden. Vor wenigen Tagen folgte ein Treffen mit den Ortsbürgermeistern der Aschersleber Ortsteile. Auch hier stand potentieller Wohnraum für Flüchtlinge im Mittelpunkt des Gespräches. Die Ortsbürgermeister haben sich dem Anliegen gegenüber aufgeschlossen gezeigt und Kontakte benannt, die nun geprüft werden.

Doch auch private Vermieter sind ausdrücklich aufgerufen, potentielle Wohnungen für Flüchtlinge zu melden. Ansprechpartnerin beim Landkreis ist Frau Golenia, die unter der Rufnummer (03471) 6 841 316 zu erreichen ist.

Benötigt werden sowohl Unterkünfte, die der Landkreis für neu ankommende Asylbewerber anmieten würde, als auch solche, in die Flüchtlinge mit einem Bleiberechtsstatus einziehen können. Menschen, die als Asylberechtigte oder Bürgerkriegsflüchtlinge anerkannt sind und damit ein längerfristiges Bleiberecht in Aschersleben haben, können selbst eine Wohnung anmieten. „Für sie ist es wichtig, Nachbarschaftsbeziehungen aufzubauen und eine Perspektive zu bekommen“, betont die Ausländerbeauftragte der Stadt Aschersleben, Steffi Becker.

Vermieter können sich in diesen Fällen an die Ausländerbeauftragte der Stadt Aschersleben, Frau Becker unter der Rufnummer (03473) 958 955 wenden, die Sie bei den Vorstellungsgesprächen und der Betreuung mit Rat und Tat unterstützt.

 

Hintergrund: Ein Asylsuchender wird einer bestimmten Ersthilfe-Einrichtung zugeordnet. Diese „Verteilung“ stützt sich auf mehrere Kriterien und wird mit Hilfe des Systems „EASY“ (Erstverteilung von Asylbegehrenden) ermittelt.

Die Zuteilung zu einer Erstaufnahme-Einrichtung hängt zum einen ab von deren aktuellen Kapazitäten. Daneben spielt auch eine Rolle, in welcher Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge das Heimatland des Asylsuchenden bearbeitet wird, denn nicht jede Außenstelle bearbeitet jedes Herkunftsland. Bundesweit werden Anträge aus Guinea-Bissau und Burkina Faso ausschließlich in Halberstadt bearbeitet. Menschen aus diesen Ländern kommen daher immer nach Sachsen-Anhalt. Menschen aus Angola werden beispielsweise in Nordrhein-Westfalen untergebracht.

Zudem bestehen Aufnahmequoten für die einzelnen Bundesländer. Diese legen fest, welchen Anteil der Asylbewerber jedes Bundesland aufnehmen muss und werden nach dem sogenannten "Königsteiner Schlüssel" festgesetzt. Er wird für jedes Jahr entsprechend der Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl der Länder berechnet. Der Königsteiner Schlüssel wird zudem auch im Land Sachsen-Anhalt angewandt, zur Verteilung der Asylbewerber auf die Landkreise.

Für das Jahr 2015 beträgt die Quote für das Land Sachsen-Anhalt 2,85 Prozent. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit einer Quote von 21,24 Prozent. Die weitaus meisten Flüchtlinge werden aber in den zumeist armen Ländern der jeweiligen Konfliktregionen versorgt.

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge/Stadt Aschersleben

Aschersleben, 22. Januar 2015