Baupreis 2020 wird dem Aschersleber Kunst- und Kulturverein e.V. verliehen

Um hervorragende und innovative Leistungen bei der Durchführung von Baumaßnahmen und bei der Gestaltung von Fassaden in Aschersleben anzuerkennen und zu fördern, lobt die Stadt Aschersleben jährlich den Baupreis aus. In diesem Jahr hat der Preisträger das Wohn- und Geschäftshaus in der Kurzen Straße 1 qualitativ hochwertig, stil- und denkmalgerecht sowie aufwändig saniert: Ich gratuliere dem Aschersleber Kunst- und Kulturverein e.V.

Seit dem 18. Jahrhundert gehört das barocke Bürgerhaus zur unmittelbaren Umgebung des Aschersleber Rathauses. Im Jahr 1890 aufgestockt, wurde es mit einer aufwändig gestalteten Fassade im neugotischen Stil versehen. Bis zur politischen Wende verfiel das Gebäude jedoch zusehends und stellte einen städtebaulichen Missstand dar. Im Jahr 1990 übernahm der AKKU das Gebäude und ließ es einer neuen Nutzung zukommen: Im Rahmen seiner Möglichkeiten wurde eine Kunstgalerie eingerichtet, die bis heute ihren Sitz dort hat. 

In den vergangenen zwei Jahren hat der AKKU die umfangreiche Sanierung des Hauses vorangetrieben. Unter Einbeziehung regionaler Handwerksbetriebe lag der Fokus der Sanierung auf einer stil- und denkmalgerechten Gestaltung. Der zu DDR-Zeiten abgebrochene Ziergiebel aus Sandstein wurde einschließlich des Zugankers aus Edelstahl als Kopie des historischen Originals wieder hergestellt. Er ist denkmalgerecht, stilgerecht und wurde von einem Steinmetzmeister aus Sandstein originalgetreu geschlagen. Die umfänglichste Aufwertung erhielt der zum Grauen Hof gelegene Brandgiebel. Dieser wurde mit orts- und regionaltypischen Biberschwanzziegeln verkleidet und mit einer zeitgemäßen Abdeckung aus Zinkblech komplettiert. Einen Kontrast dazu bildet der mit natürlichen und unbehandelten Lärchenholzbrettern mit Skulp- und Deckschalung versehene Seitengiebel. Die historische Architekturfarbigkeit wurde auf Grundlage eines restauratorischen Untersuchungsberichtes wiederhergestellt.

Die historische Schaufensteranlage und die bauzeitige Hauseingangstür wurden erhalten. Alle Fenster sind als sehr genaue Kopien des historischen Originals aus Holz hergestellt worden. Energetisch sind Türen und Fenster isolierverglast und auf dem neuesten Stand der Technik.

Während beim Äußeren vor allem die Historie die Arbeiten prägten, sind es im Inneren modernste Technik und Innovationen. In den oberen Etagen werden zukünftig zwei Stipendiatenwohnungen gelegen sein. Der Betrieb des Gebäudes erfolgt mit einem modernen Gaskessel mit Brennwerttechnik. Sind die Arbeiten an den Stipendiatenwohnungen abgeschlossen, erhält das Haus ein modellierendes Blockheizkraftwerk, das den Bedarf an Wärme und Strom in Gänze abdeckt. Im Inneren des Hauses sind auch der Erhalt und die Ergänzung historischer Türen und die Rekonstruktion des Fußbodens mit handgeschlagenen Platten aus Ton erwähnenswert.

Alle an dem Baudenkmal geplanten Arbeiten wurden frühzeitig mit der Denkmalpflege der Stadt Aschersleben und den beteiligten Firmen abgestimmt. Die reich dekorierte Stuckfassade ist akribisch fach- und denkmalgerecht aufgearbeitet worden. Die historische Architekturfarbigkeit hat der AKKU in Eigenleistung mit einer Silikatfarbe wiederhergestellt. Deren Verarbeitung war besonders anspruchsvoll und wurde in Zusammenarbeit mit den Beckschen Mineralfarbwerken hervorragend gemeistert.

Nach der Sanierung fügt sich dieses Haus nun nahtlos ist das bestehende Denkmalensemble aus historischem Rathaus und dem Renaissance-Wohnhaus Markt 2 – Krukmannsches Haus – ein. Schön ist, dass das besondere Gestaltungsmerkmal des Denkmalbereiches „Türme und Erker“ durch die Rekonstruktion des neogotischen Ziergiebels aufgegriffen wurde und sich das Gebäude so besser in die Umgebungsbebauung einfügt. Die hohe gestalterische Qualität zeigt auch der handgemalte Schriftzug „Kunstquartier Grauer Hof – Galerie“ auf dem historischen Schriftfeld.

(c) Stadt Aschersleben

Aschersleben, 3. Januar 2020