Drive Thru Gallery wird erneuert

Im Vorbeifahren große Kunst bestaunen - das ist in Aschersleben möglich!

10 Jahre nach der Eröffnung der Drive Thru Gallery in Aschersleben wurden am Mittwoch, dem 20. Mai, drei neue Werke am Bahnhofskreisel eingeweiht. Die Drive Thru Gallery ist im Rahmen der IBA -  Internationalen Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 entstandenen und hat national und international für viel Beachtung gesorgt. 

Erstmals werden im Rahmen der Durchfahrts-Galerie Werke eines Aschersleber Künstlers im öffentlichen Raum präsentiert.

„Wir freuen uns, dass wir aus dem Lithografiezyklus „Paul Greene“ 3 Werke von Klaus Moritz gefunden haben, die thematisch ganz wunderbar zur Idee der Drive Thru Gallery passen“, so Matthias Poeschel, Vorstand der Aschersleber Kulturanstalt.

Julia Rippich, Dezernentin für Stadtentwicklung im Rathaus der Stadt Aschersleben, informierte darüber hinaus, dass nun in den nächsten Monaten die Drive Thru Gallery konzeptionell überarbeitet und weiterentwickelt werden soll. 

„Mit den Moritz-Bilder erhält der Bahnhofskreisel einen Aufwertung und wir sind froh, dass wir im Corona-geplagten Jubiläumsjahr 2020 so tatsächlich eine geplante Aktion realisieren konnten.“, freut sich Poeschel.

(Fotos: Aschersleber Kulturanstalt)

Ausführliche Informationen zum Künstler Klaus Moritz und seinem künstlerischen Werk 

Der Lithografiezyklus „Paul Greene“

Wer oder was ist eigentlich „Paul Greene“? Diese Frage stellte sich unweigerlich beim Betrachten des aus 5 Bildern bestehenden gleichnamigen Lithografiezyklus von Klaus Moritz.
Fakt ist: dieser Lithografiezyklus entstand 1971 bei einer Studienreise nach England und Irland. Er leitete Moritz‘ England/Irland-Architektur-Thematik ein. Immer wieder sieht man auf seinen Bildern Telefonhäuschen, Bars, Cafés, Garagen, Boutiquen, Häuser; doch keine Menschenseele, die darin wohnt. Eine Hommage an die Liebe zur Einsamkeit.
Fünf Bilder mit den schönen Namen „Central Hotel“, „Telephone“, „John Long“, „Garage“, „Drive Slowly“ alle unterschiedlich und doch haben sie eines gemeinsam: „Paul Greene“.
Beim bewussten Betrachten der Bilder fällt auf, dass der Schriftzug „Paul Greene“ sich in jedem der Bilder wiederfindet. Er erscheint immer als Graffiti an einer der Häuserfronten oder auf einem Auto oder auf einem Straßenschild – wie im Vorbeigehen achtlos an die Wand gekritzelt.
Die fünf Bilder bestechen durch viele Details. Man muss genau hinsehen und findet zum Teil versteckte und liebevoll gemeinte Anspielungen auf die Insel und ihre Bewohner.
1972 erhält er für seinen Litho-Zyklus „Paul Greene“ auf der 1. Wiener Graphikbiennale den Jurypreis. Damit gelingt ihm der Durchbruch als international anerkannter Künstler. Ausstellungen in New York und Tokio folgen. Über 150 Einzelausstellungen in Deutschland, Europa und Übersee werden es am Ende seiner aktiven Schaffensperiode sein.
Klaus Moritz ist ein Realist. Er bleibt nah am Objekt, am Gegenständlichen. Seine Bilder bestechen durch Farbbrillanz und die Liebe zum Detail. Die Realität genauestens abzubilden, darin besteht die Kunst von Klaus Moritz. 

Information zum Nachlass

Im Juli 2010 bot Klaus Moritz der Stadt Aschersleben die Übernahme seines grafischen Werkes an. Im Oktober erfolgte die Schenkung an das Städtische Museum. Der Nachlass umfasst ca. 300 grafische Blätter, darunter vorranging Lithografien und Radierungen. Dem Nachlass legte der Künstler ein eigenhändiges ausführliches Werkverzeichnis bei, welches neben dem Titel und der angewendeten Technik auch die Höhe der Auflage des jeweiligen Blattes enthält.
Im Januar 2011 und 2012 würdigte das Museum Aschersleben Klaus Moritz mit zwei größeren Ausstellungen. Im Jahr 2018 waren Teile seines Nachlasses Bestandteil der Wanderausstellung „Anlass: Nachlass. Künstlernachlässe aus dem Salzlandkreis“, initiiert durch die Museen in Aschersleben, Bernburg und Schönebeck.