Arbeitskreis »Geschichte jüdischer Mitbürger in Aschersleben« erhält den Bildungspreis der Stadt Aschersleben
Mit dem Bildungspreis der Stadt Aschersleben werden innovative Bildungsmaßnahmen oder eine hervorragende Bildungsarbeit geehrt. In diesem Jahr wird der Arbeitskreis „Geschichte jüdischer Mitbürger in Aschersleben" mit dem Bildungspreis ausgezeichnet.
Der Arbeitskreis „Geschichte jüdischer Mitbürger in Aschersleben" engagiert sich bereits seit mehr als 17 Jahren für die Aufarbeitung der jüdischen Gemeinde Aschersleben und ihrer Mitglieder. Die 2008 gegründete Interessengemeinschaft ist mittlerweile Teil des Vereins der Freunde und Förderer des Museums Ascherslebens e.V.
Die Arbeit der Mitglieder des Arbeitskreises wird überall in Aschersleben sichtbar: So folgten dem ersten, am 23.11.2008 auf Initiative von Lars Bremer verlegten Stolperstein, bis heute 77 weitere. Sie decken die Geschichten Aschersleber Jüdinnen und Juden auf und zeigen, wie viele Menschen in der Eine-Stadt dem Terror des NS-Regimes zum Opfer fielen.
Bis es zur Verlegung dieser Stolpersteine kommt, ist oft jahrelange Recherche nötig. Die Mitglieder des Arbeitskreises konnten Privatpersonen und Institutionen gewinnen, als Sponsoren bzw. Paten der Stolpersteine aufzutreten. War vor 2008 nur wenig über die jüdische Gemeinde in Aschersleben bekannt, so deckten die Mitglieder im Zuge ihrer Recherchen nach und nach ihre Geschichten und ihre Geschichte auf. Diese zeigen: Jüdinnen und Juden waren in Aschersleben spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vollständig in die Stadtgesellschaft integriert. Sie führten beliebte Kaufhäuser, waren in Banken und als Notare tätig. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden Juden nicht nur aus dem alltäglichen Leben gedrängt, sondern auch ihres Besitzes beraubt, verfolgt, misshandelt und ermordet. Viele Schicksale von Aschersleber Jüdinnen und Juden blieben jahrzehntelang ungeklärt und wurden durch die Arbeit des Arbeitskreises „Geschichte jüdischer Mitbürger" wieder bekannt. Für ihre Recherchen besuchen die Mitglieder nicht nur Archive und sehen in mühsamer Kleinarbeit Dokumente durch. Auch der Kontakt zu Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und zu Nachfahren verfolgter jüdischer Mitbürger wird hergestellt und gehalten. Bereits mehrmals besuchten Nachfahren auf Einladung des Arbeitskreises die Eine-Stadt, zuletzt im Mai 2025: Bei der Verlegung dreier Stolpersteine für Marianne, Hertha und Walter Herz waren deren Nachfahren aus Australien anwesend.
Die Ergebnisse der Recherchen werden nicht nur bei Stolpersteinverlegungen und anderen Gedenkveranstaltungen in Aschersleben mündlich vorgestellt. Ausstellungen im Städtischen Museum, die Durchführung von Stolpersteinführungen, die Unterstützung der jährlichen Jüdischen Kulturtage und die Herausgabe von Publikationen, neuerdings auch im digitalen Format machen - ganz getreu dem Namen des Arbeitskreises - die Geschichte der jüdischen Mitbürger Ascherslebens sichtbar. Ein 2022 mit Unterstützung des Arbeitskreises eingerichteter Videoguide berichtet zudem über die Geschichte des jüdischen Friedhofs, die dort Bestatteten und über jüdische Bestattungsriten.
Das Engagement des Arbeitskreises wurde bereits ausgezeichnet: 2019 verlieh die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands den Werner-Sylten-Preis für den christlich-jüdischen Dialog den Mitgliedern des Arbeitskreises. 2025 folgte die Ernennung des dem Arbeitskreises übergeordneten Fördervereins des Museums zum Engagementbotschafter für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt - ein Titel, den der Förderverein nicht zuletzt auch dem Arbeitskreis ,,Geschichte jüdischer Mitbürger" zu verdanken hat.
Gerade angesichts zunehmender politischer und gesellschaftlicher Spannungen zeigt sich, welch hohe Bedeutung die Tätigkeit des Arbeitskreises innehat. Antisemitismus breitet sich in Deutschland – erneut - immer stärker aus. Jüdinnen und Juden werden auf offener Straße angegriffen und judenfeindliche Parolen skandiert. Haltung zu zeigen ist heute wichtiger denn je. Die Mitglieder des Arbeitskreises zeigen Haltung: Sie setzen sich durch ihre Arbeit seit 17 Jahren aktiv für Aufklärung, Bildung und gegen Antisemitismus ein.
Zum Arbeitskreis gehören aktuell: Lars Bremer, Dr. Udo Stephan, Carola Anton, Ulrike Preden, Ines Mansfeld, Eckehard Peters, Dr. Günther Symietz, Rabia Ekim, Alina Hinz, Stephanie Kubera, Eveline Jentsch, Benjamin Pekrul-Große, Gudrun Wagner.