Von der Scheune zum Verkaufsraum: Brautmoden Tempel erhält Baupreis der Stadt Aschersleben
Um hervorragende und innovative Leistungen bei der Durchführung von Baumaßnahmen und bei der Gestaltung von Fassaden in Aschersleben anzuerkennen und zu fördern, lobt die Stadt Aschersleben jährlich den Baupreis aus. In diesem Jahr erhält die Inhaberin des Geschäftes „Brautmoden Tempel“, Frau Kathrin Tempel, für die denkmalgerechte Sanierung, den Umbau und die Umnutzung einer Scheune in einen Verkaufsraum am Gebäude Kreisstraße 44 in Mehringen den Baupreis der Stadt Aschersleben. Meinen herzlichen Glückwunsch!
Im Jahr 2011 erwarb Kathrin Tempel in Mehringen das Gebäude Kreisstraße 44. In jahrelanger und stellenweise mühseligen Kleinarbeit und mit viel Liebe zum Detail wurde das Objekt saniert und instandgesetzt. Die Brautmoden zogen in einen Neubau ein, die Abendmoden und Herrenmoden erhielten ihren Verkaufsraum in einer ehemaligen Scheune. Im März 2020 konnte Kathrin Tempel den „Brautmoden Tempel“ in Mehringen eröffnen – aufgrund des wenige Tage später verhängten Corona-Lockdowns leider unter denkbar schlechten Voraussetzungen. Mittlerweile jedoch floriert das Geschäft und ist in der Region bekannt.
Im Fokus der Umnutzung der Scheune stand dabei die sensible Kopplung von Erhalt historischer Bausubstanz mit neuer Nutzung und energetisch optimierten Umbau. Hier ist ein gelungener Mix zwischen gestalterischem Muss und technisch nötig und möglichem entstanden.
Es erfolgte ein traditionelle, massive Bauweise der Scheune mit Aufarbeitung des Dachstuhles und des Bestandsmauerwerkes. Der alte Dachstuhl und das Bruchsteinmauerwerk sind in situ erhalten, aufgearbeitet und in die neue Nutzung eingebunden. Statisch wurde eine Zwischendecke auf neuem Mauerwerk, welches gleichzeitig der energetischen Optimierung dient, eingebaut. Der installierte Holzvergaserkessel (entspricht der Funktion der Generatorenvergasung) gewährleistet einen brennstoffsparenden und ökölogischen Betrieb. Die alten Strukturen der Scheune (Raum und Fenster) wurden erhalten.
Das Haus wurde mit gegliederten Fenstern ausgestattet. Diese sind detailgetreu nachgebildet. Die Gestaltung der Fassade erfolgte originalgetreu entsprechend der Historie.
Durch das Aufgreifen der vorhandenen Trauf- und Firstlinien, der in situ gegebenen Geschossigkeit sowie der Ausbildung von Fenstern und der Dachlandschaft ordnet sich das sanierte Objekt sehr gut in den Bestand ein. Das Bauvorhaben wurde besonders sachgerecht ausgeführt. Materialwahl und handwerkliche Qualität bis ins Detail überzeugen bei allen Bauteilen. Die Fassaden des Hofensembles wurden in Detailarbeit aufeinander abgestimmt und nach zahlreichen Gesprächen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde sehr aufwendig restauriert. Der ergänzende Neubau hat sich untergeordnet und trägt zu der hohen gestalterischen Qualität bei.
In den vorhergehenden Erläuterungen wurde bereits hinreichend dargelegt, dass die Ziele der Gestaltung, des Denkmalschutzes und die energetischen Anforderungen in einem hohen Maß eingehalten wurden. Die Integration in das gesamte Hofensemble ist sehr gut gelungen.