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Schild als Zeugnis des nationalsozialistischen Boykotts jüdischer Geschäfte in Aschersleben

In der Dauerausstellung des Aschersleber Museums finden sich einige Zeugnisse zur Geschichte der Jüdinnen und Juden. Unter anderem zeugt ein Schild von dem Hass, der ihnen in der NS-Zeit entgegengebracht wurde: „Lasst euch nicht mit unten aufgeführten Firmen ein“, mahnt es. Unter den aufgelisteten Firmen findet sich auch das Kaufhaus S. & M. Crohn in der Breiten Straße 41a. Es wurde von Hermann Crohn, später von seiner Frau Alice betrieben.
Wer war Alice Crohn? Was ist ihre Geschichte?

Alice Crohn – Kauffrau, Mutter, Jüdin

Am 11. Mai 1878 wurde Johanne Alice Samson als Tochter des Kaufmanns Hugo Samson in Bernburg geboren. Über ihre Jugend ist nichts bekannt. Am 08. Februar 1901 heiratete sie den Kaufmann Hermann Crohn, zwischen 1901 und 1912 gebar sie vier Kinder – Ilse, Käte, Lilly und Henny.

Hermann Crohn hatte 1898 in Aschersleben am Markt 10 - Ecke Breite Straße - das Kaufhaus S. & M. Crohn gegründet. Die Geschäfte liefen so gut, dass er 1906 ein zweites Kaufhaus in Eisleben eröffnen konnte. 1914 ließ die Firma S. & M. Crohn in Aschersleben in der Breiten Straße 41a nach Plänen von Hans Heckner einen modernen Kaufhaus-Neubau errichten. Die Familie Crohn bezog die zweite Etage des Wohn- und Geschäftshauses.

1936 verstarb Hermann Crohn während einer Tel Aviv - Reise. Alice Crohn reiste allein in das nationalsozialistische Deutschland zurück und übernahm die Geschäfte ihres verstorbenen Ehemannes. Mit einer Beteiligung von 60 % als Gesellschafterin und tätige Teilhaberin war sie bis zum November 1938 zuständig für finanztechnische Angelegenheiten und Büroarbeit – dann wurde Juden und Jüdinnen untersagt, als Geschäftsführer tätig zu sein. Das Kaufhaus S. & M. Crohn wurde „arisiert“ und in Kaufhaus Werner Mayer umbenannt.

Bis 1942 lebte Alice Crohn in der Breiten Straße 41a. Am 16. November 1942 wurde sie zusammen mit sechs weiteren jüdischen Ascherslebern ins Ghetto Theresienstadt deportiert, von dort schließlich 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz.

Noch 1944 schrieb sie Briefe in die Heimat, dann riss der Kontakt ab. Es ist anzunehmen, dass sie in Auschwitz umgebracht wurde.

Die Geschichte der Aschersleber Juden im Museum

Das Städtische Museum Aschersleben setzt sich dafür ein mahnend an die Verfolgung der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erinnern. Noch in diesem Jahr wird die Dauerausstellung deshalb um ein ganz besonderes Ausstellungsmöbel ergänzt: Ein alter Schrank lädt dazu ein, in seinen Schubladen die Geschichte der einst aktiven, schon seit dem Mittelalter bestehenden jüdischen Gemeinde zu entdecken; aber auch, wie Antisemitismus auch heute noch in der Gesellschaft verbreitet ist.